Triumph der Schmalztolle

"Dick Brave & The Backbeats" rocken am 8. Juni in Wetzlar
Haben sich dem Rock n Roll verschrieben: Dick Brave alias Sasha und seine Kapelle.<br/>Foto: Archiv
Haben sich dem Rock n Roll verschrieben: Dick Brave alias Sasha und seine Kapelle.
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Sasha (lacht): Nee, gerne Sasha, das wär' ja sonst albern.

Als Dick Brave kommen Sie nach Wetzlar. Als Special Guest von Lenny Kravitz. Aber jemand wie Sie, der schon auf der Party für P!nk gespielt hat: Da ist doch Lenny Kravitz eher Ihr Special Guest, oder?

Sasha: Ja, ja, ich habe gedacht, damit ein paar Leute mehr kommen, laden wir den mal mit ein. Die Amerikaner stehen ja immer gerne oben, da bin ich bescheiden (lacht).

Haben Sie auch einen Song von Kravitz im Programm?

Sasha: Da wollen wir uns was überlegen, das machen wir immer ganz gerne, wenn jemand Berühmtes dabei ist. Das hat bei "Rock am Ring" schon funktioniert. Da hatten wir mal ein Stück von Avril Lavigne. Als sie die ersten Töne ihres Songs hörte, kam sie schnell und sehr interessiert aus ihrer Katakombe hervor. Das fanden wir lustig. Da wäre es natürlich schick, wenn wir auch von Kravitz etwas spielen, noch haben wir das nicht geprobt.

Für alle Nicht-Eingeweihten: Wie kam es eigentlich zu "Dick Brave & the Backbeats"?

Sasha: Die Biografie für Dick Brave habe ich natürlich erfunden, aber die Geschichte der Band stimmt, so wahr ich hier stehe. Und zwar haben wir in der Sasha-Phase immer am Ende des Jahres Weihnachtskonzerte für Freunde und Verwandte gespielt.

In einem Jahr, in der Endphase meines dritten Albums, hatte ich überhaupt keine Lust, Sasha-Lieder zu spielen, und habe gesagt: "Lasst uns doch mal ne Rock-n-Roll-Band machen." Wir haben uns Rock'n'Roll-Lieder draufgezogen und die gespielt. Das hat so viel Spaß gemacht, dass wir gesagt haben, damit gehen wir auf Tour; das darf aber keiner wissen, dass ich das bin. Und so ist dann langsam dieser Mythos "Dick Brave" entstanden.

Ist denn Ihr Faible für diese Musikrichtung eine "Erblast" der Eltern?

Sasha: Nee, das war meine eigene freie Entscheidung. Die erste Platte, die ich selbstständig auf den Plattenteller gelegt habe, war Elvis Presley.

Was auch sonst...

Sasha: Nee, nee, das ist wirklich wahr. Ich erzähle keinen Quatsch, 32 Hits, "Elvis forever", auch noch ein Doppelalbum...

Also, ich bin damit aufgewachsen, auch mit anderer Musik. Zu der Zeit hatten meine Eltern auch Frank Sinatra und Glenn Miller im Programm, aber Elvis hat mir da am besten gefallen und die Rock'n'Roll-Musik hat mich auch durch die Pubertät begleitet. Wenn die anderen angefangen haben, so krasses Zeug zu hören, hab ich eben Rock'n'Roll gehört.

Zur Show: Nach welchen Kriterien wählen Sie die Songs für Ihre Cover aus?

Sasha: Erstmal nach Gefallen, die Originallieder müssen mir oder uns gefallen, da macht ja die ganze Kapelle mit, wir machen uns gegenseitig Vorschläge. Für die alten Coversongs ist meist der Gitarrist zuständig, der kennt sich da entsprechend aus und schlägt was vor, so Zweite-, Dritte-Reihe-Songs, die ich nicht so auf dem Schirm habe. Und bei den neuen Songs wird was vorgeschlagen, aktuelle Lieblingssongs etwa oder andere, bei denen wir meinen, dass man die machen sollte.

Ich gestehe ein Stück weit Unwissenheit: Ist alles Cover oder gibt es auch eigene Stücke?

Sasha: Eigentlich ist das ja ein schönes Kompliment, wenn man das nicht genau weiß oder raushört. Wir haben vier eigene Stücke auf dem Album, und die wenigsten hören es raus. Das heißt, dass wir es geschafft haben, die Originalmusik gut einzufangen und mit unserer neuen Art und Weise zu komponieren unter einen Hut zu kriegen.

Also wie Max Raabe, nur mit Rock'n'Roll?

Sasha: Nee, Max Raabe ist wie Dick Brave, nur auf 30er-Jahre-Schlager... (lacht)

Ihr Programm steht unter dem Motto "Rock'n'Roll-Therapie". Wer muss therapiert werden?

Sasha: In erster Linie muss ja Dick Brave therapiert werden, deshalb heißt es so, er hat ja im Wald gesteckt und konnte sich an nichts mehr erinnern...

Da kommt der Mythos zur Geltung.

Sasha: Stimmt... Ich nenne Rock'n'Roll immer die sexy Mama der Musik, da steckt ganz viel Ursprüngliches drin, ganz viel Einfaches, das macht aber auch die Kraft aus. Wenn man schlechte Laune hat, kann man das gut nehmen, um sich wieder gute Laune zu machen.

Und das ist die Therapie?

Sasha: Ja, geeenau!

Wer kommt zu Ihren Konzerten: Alt-Rocker oder junge Pop-Fans, die Sasha suchen?

Sasha: Letztere Kategorie seltener, obwohl sich auch ein paar Sasha-Fans in ein Dick-Brave-Konzert verirren. Es gab sogar den Fall, dass jemand den ganzen Abend da war und wollte Sasha-Lieder hören und die sind einfach nicht gekommen, da war er im falschen Konzert. Das geht dann nicht, das sind zwei verschiedene Richtungen und Persönlichkeiten. Ich glaube, dass da auch viele kommen, die nicht zu Sasha-Konzerten gehen würden, obwohl das eigentlich schade ist, ich würde denen gerne sagen: Sasha macht auch Spaß. Aber das Publikum ist sehr durchwachsen, ich glaube, wir sind so ein bisschen eine Familienkapelle geworden, die selbst nicht mehr die jüngste ist, so 25 Jahre plus/minus um uns herum ist dann alles vor Ort.

Sasha und der Mythos Dick Brave als zwei Seiten der selben Medaille, zwei Namen, um zwei Musikrichtungen zu unterscheiden?

Sasha: Das hat eigentlich als Spaß angefangen und hat sich dann verselbstständigt, und dann habe ich Laune daran gefunden, damit zu spielen. Das mit Dick Brave sollte ja gar nicht so groß werden, war für mich ein kleines Seitenprojekt, mit dem ich live auftreten konnte. Einerseits haben sich Leute darüber aufgeregt, verarscht der uns? Das ist doch Sasha, das ist gar nicht Dick Brave! Auf der anderen Seite haben es die meisten mit dem Humor genommen, auf den ich abgezielt habe. Das wurde dann gut angenommen und hat umso mehr Spaß gemacht, damit zu spielen.

Und wann erleben wir Sasha wieder live auf der Bühne?

Sasha: Das ist 'ne gute Frage, das kann ich gar nicht beantworten. Dick Brave wird erstmal weitermachen. Wann Sasha dazukommt oder ihn ablöst, das steht noch in den Sternen.

Was gibt's am 8. Juni in Wetzlar auf die Ohren?

Sasha: Definitiv machen wir ein bisschen Festival, open air darf ein bisschen mehr Krach sein, da gibt es mehr von den großen Rock'n'Roll-Nummern, also "No one knows" von "Queens Of The Stone Age", aber auch Klassiker wie "She is the most". Wir überlegen uns das eigentlich immer erst kurz vorher, deshalb kann ich das noch gar nicht so sagen.

Dann freue mer sich, wie es in Hessen heißt. Danke fürs Gespräch und schöne Zeit bis dahin.

Sasha: Vielen Dank, mach's gut, tschau!


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