Ziemlich großes Theater

PREMIERE Sigmar Solbach brilliert als gelähmter Philippe

Zwei Welten prallen aufeinander und resultieren in einer wunderbaren Freundschaft: der adelige Philippe (Sigmar Solbach, rechts) und sein Pfleger, Ex-Knacki Driss (Peter Marton). (Foto: marcpierre/Veranstalter)

Vor zwei Jahren kam "Ziemlich beste Freunde" in die Kinos und sorgte für große Begeisterung. Alleine in Deutschland sahen über neun Millionen Besucher den Film. Gunnar Dreßler hat den Stoff für die Bühne bearbeitet - und die Umsetzung in Frankfurt ist mehr als gelungen. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit um den ehemaligen Geschäftsführer des Champagnerherstellers Pommery. Bei einem Paragliding-Absturz verletzte dieser sich an der Wirbelsäule; der Unfall machte ihn zu einem Tetraplegiker - vom Hals abwärts blieb er querschnittsgelähmt.

Die Geschichte einer Freundschaft ist durch und durch lebensbejahend

Den gelähmten Philippe stellt Sigmar Solbach unübertrefflich gut dar. Solbach ist dem TV-Publikum vor allem aus Serien wie "Das Erbe der Guldenburgs", "Diese Drombuschs", "Traumschiff" oder "Dr. Stefan Frank" bekannt. Der gelähmte Adelige ist aber wohl seine beste Rolle. Solbach spielt den extrem hilfsbedürftigen Philippe mit ungeheurer Präsenz und ganz viel Feingefühl. Wie der Schauspieler es meistert, Emotionen lediglich mit Stimme und Blicken zu transportieren und ansonsten über zwei Stunden lang völlig regungslos zu bleiben, ist schon ganz großes Kino.

Gekonnt agiert auch sein Gegenpart - Peter Marton, der in der Rolle als dunkelhäutiger Pfleger Driss voll aufgeht. Der gerade aus dem Gefängnis entlassene Sozialhilfeempfänger bewirbt sich eigentlich nur um den Job als Pfleger, weil er drei gescheiterte Vorstellungsgespräche benötigt, um Arbeitslosenhilfe bewilligt zu bekommen. Doch dann kommt alles anders. Driss empfindet für den Mann im Rollstuhl kein Mitleid ("Ohne Arme keine Schokolade") - und genau deshalb bekommt er die Stelle und wird so bald zu Philippes "Schutzteufel". Zwei Welten prallen da aufeinander. Doch Philippe und Driss ergänzen sich bestens und können noch dazu eine Menge voneinander lernen. Philippe gewinnt seine Lebensfreude zurück und Driss erfährt, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Diese Geschichte der Männerfreundschaft zwischen einem begüterten und gebildeten Querschnittsgelähmten und seinem Pfleger aus dem Sozialhilfemilieu ist durch und durch lebensbejahend. Nicht zuletzt weckt die Komödie nach dem gleichnamigen französischen Kinohit auch spielerisch das Verständnis für die Probleme Schwerbehinderter.

Auch die weiteren Rollen sind gut besetzt. Ausdrucksstark, feinsinnig und elegant spielt Kerstin Gäthe die Privatsekretärin Magalie.

Für das durchweg gute Spiel ohne Schwächen sorgen ansonsten in Nebenrollen Lutz Reichert, Armin Riahi und Julia Streich.

Regisseurin Pia Hänggi hat das Stück schön flott inszeniert. Und so gibt es am Ende der Premiere auch ganz viel Applaus für einen rundum gelungenen Theaterabend mit reichlich Humor, aber auch Tiefgang.

n "Ziemlich beste Freunde" ist noch bis zum 25. Januar im Frankfurter Fritz Rémond Theater im Zoo zu sehen. Keine Vorstellungen sind an Heiligabend und Neujahr. Dafür gibt es Aufführungen am 1. Weihnachtstag um 20 Uhr, am 2. Feiertag um 16 und 20 Uhr sowie an Silvester um 16.30 und 20.30 Uhr. Karten kosten zwischen 17,50 und 28,50 Euro. Die Theaterkasse ist unter der Telefonnummer (0 69) 43 51 66 zu erreichen.


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