Christina Aguilera meldet sich selbstbewusst zurück

Liberation
Christina Aguilera
Christina Aguilera hat viel Ballast abgeworfen. Foto: Milan Zrnic

Auf ihrem Album befreit sich die mehrfache Grammy-Gewinnerin von musikalischen und persönlichen Fesseln.

Die Karriere beginnt für die US-Amerikanerin 1993 im «Mickey Mouse Club» des Disney Channels. Damals ist sie 13 Jahre alt, moderiert neben Britney Spears oder Justin Timberlake. Alle drei starten später eine Weltkarriere. Aguilera gibt zunächst - ähnlich wie Spears - das brave Pop-Mädchen und landet 1999 mit «Genie In A Bottle» einen Kulthit.

Doch das Teenie-Image gefällt der New Yorkerin nicht, sie trennt sich von ihrem Manager, gibt sich im «Moulin Rouge»-Titelsong «Lady Marmalade» und ihrem Album «Stripped» deutlich freizügiger. Aguilera genießt ihr gewagtes Image, posiert mehrmals halbnackt und küsst bei den «MTV Video Music Awards» 2003 Madonna und Britney Spears. Ein Skandal im prüden Amerika.

Aber richtig glücklich ist Aguilera immer noch nicht. «Es war eine ziemlich pop-gesteuerte Zeit damals, und hinter den Kulissen wurde man wie eine Puppe behandelt», meinte die 37-Jährige kürzlich. «Es ging darum, welches Paket das Label am besten verkaufen kann. Ich habe mich in einem Ort voller Regeln wiedergefunden und konnte mein Potenzial nicht ausschöpfen.»

Das soll sich jetzt ändern: Nach Ausflügen in die Schauspielerei («Burlesque») und der Geburt ihrer beiden Kinder kommt Aguilera nach sechsjähriger Musikpause noch selbstbewusster daher als zuvor. Das Album soll eine Befreiung sein, auch von musikalischen Konventionen. Nach dem Motto: Ich mache, was mir gefällt. Nicht, was gerade im Trend liegt.

Symbolisch dafür stehen die aufeinanderfolgenden Songs «Twice» und «Accelerate», die durch ein einminütiges Zwischenstück miteinander verbunden sind. In «Twice» steht Aguileras kräftige Stimme im Vordergrund, begleitet von einem Klavier. Typisch Aguilera, würden viele sagen. Die Balladen-Diva. Im A-cappella-Interlude dann die klare Ansage: «Ich brauche das nicht mehr!» Es folgt mit «Accelerate» das wohl experimentellste Lied der 37-Jährigen. Hip-Hop, Funk, Club-Beats, nicht ganz einfache Kost.

Zwar folgen am Ende der Platte erneut zwei Liebesballaden («Masochist», «Unless It's With You»), doch wirkt «Liberation» insgesamt vielfältiger, mit Einflüssen aus dem Hip-Hop, Soul, R&B, Reggae und Rock. Selbstbestimmt, sagt Aguilera. Beliebig, meinen einige Kritiker.

Es geht der Musikerin auf ihrem achten Studioalbum vor allem darum, wieder zu ihren Wurzeln zurückzukehren. «Ich war festgefahren, habe Dinge unmotiviert und wie im Schlaf erledigt», teilt sie über ihre Plattenfirma mit.

In «Maria», wie Aguilera mit zweitem Vornamen heißt, erklärt sie, wieder das unschuldige Mädchen sein zu wollen. Eine, die Musik macht und nicht Teil eines Geschäfts ist. Weniger Christina, mehr Maria. «Als junges Mädchen in einer Welt von älteren Männern, die insgeheim völlig andere Motive haben, und die Tatsache, dass ich in kreativen Dingen nichts zu sagen hatte, haben mich sehr isoliert», erklärt die Musikerin.

Die Botschaft: Frauen sollten nicht nur das Image bedienen, das die Gesellschaft ihnen zuschreibt. In der Frauenpower-Hymne «Fall in Line» mit Demi Lovato heißt es: «Ich bin nicht gemacht dafür, mich zu fügen.» Ein Song, den Aguilera noch vor der aktuellen MeToo-Debatte geschrieben hat und der aktueller nicht sein könnte. Er zeugt von einer reifen und selbstbewussten Frau, die weiß, was sie will. Keine Konventionen und keine Fesseln.

Website Christina Aguilera


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