"Das ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit"

UMWELT Klimaphilosoph: Es geht nicht ohne nachhaltige Entwicklung / Unterentwickelte Staaten brauchen finanzielle Unterstützung

Die Folgen der Klimaveränderung sind vor allem in ärmeren Ländern spürbar - zum Beispiel in Haiti, das in den vergangenen Jahren mehrfach von Naturkatastrophen heimgesucht wurde. (Foto: Barria/dpa)

Klimaschutz und Armutsbekämpfung gehören für ihn zusammen: Klimaphilosoph Darrel Moellendorf. (Foto: dpa)

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Beim Blick auf die im November zu Ende gegangene Klimakonferenz hat Darrel Moellendorf mehr als nur Emissionsgrenzwerte im Blick gehabt: Der US-Amerikaner, der an der Frankfurter Goethe-Universität am Cluster "Normative Orders" forscht, befasst sich schon seit Jahren mit dem Thema globaler Gerechtigkeit. Der Philosoph, zu dessen Schwerpunkten an dem interdisziplinären Forschungszentrum auch die Auswirkungen von Klimawandel gehören, fordert Klimapolitik, die im Einklang mit nachhaltiger Entwicklung steht und Armut in den unterentwickelten Ländern bekämpft.

"Ich hoffe, die industrialisierten Länder werden feststellen, dass nachhaltige Entwicklung notwendig ist, wenn man Klimaschutz will", sagte Moellendorf. "Es gibt keinen anderen Weg."

Das sei einerseits eine moralische Frage - die größten Verursacher von Emissionen sind vor allem die Industriestaaten. Die Folgen von Klimaveränderungen werden aber vor allem in den Ländern des sogenannten Globalen Südens besonders dramatisch spürbar, seien es die Taifune und Hurrikane, die in den vergangenen Jahren wiederholt arme Länder wie die Philippinen oder Haiti trafen, sei es der Anstieg der Meeresspiegel mit seinen Folgen für kleine Inselstaaten oder die Serie von Dürren und Hunger in Afrika südlich der Sahara.

Gleichzeitig weist Moellendorf auf den hohen Verbrauch fossiler Brennstoffe in Schwellenländern wie Indien und China hin. Wenn hier ein Wandel einsetze, sei das auch im Interesse der Industrienationen. "Wenn man über Klimaanpassung redet, ist das auch eine Frage sozialer Gerechtigkeit", betont der Klimaphilosoph und Politikwissenschaftler.

Finanzielle Mittel sind nicht angemessen

Bisher seien die Mittel der reichen Staaten in Fonds zur Finanzierung von Klimaschutz, etwa Hochwasserschutz in Taifungebieten, nicht angemessen.

"Ich halte es für ganz wichtig, das Recht auf nachhaltige Entwicklung in den Mittelpunkt von Klimakonferenzen zu stellen", sagt Moellendorf und verweist etwa auf die Sozialcharta der Vereinten Nationen. "Das wird ein großes Kapitel der Zukunft", ist sich der Wissenschaftler sicher. Denn wenn Länder wie die Philippinen hohe Summen in Klimaanpassung investieren müssten, bedeute das gleichzeitig eine finanziellen Drosselung ihrer Entwicklungsprogramme.

Auch aus der Sicht der Industriestaaten sollte es eine "vernünftige Lösung" sein, die unterentwickelten Staaten finanziell bei der Bewältigung von Klimafolgen und vorbeugender Klimapolitik zu unterstützen. Denn wenn die Lebensgrundlagen der Menschen nicht gefährdet seien, könne sich das auch auf Migration auswirken.

Sorgen bereiten Moellendorf allerdings nationalistische und populistische Strömungen in Europa und andernorts. "Ich glaube, der wachsende Nationalismus ist eine große Gefahr für die internationale Zusammenarbeit überhaupt, aber besonders in der Klimapolitik", sagt er. "Insofern sind die nächsten Wahlen in Deutschland und in Frankreich ganz wichtig auch für die Klimapolitik." Auch der Wahlsieg Donald Trumps in den USA könne in der Klimapolitik noch für Probleme sorgen, fürchtet der Wissenschaftler. "Ich glaube, es besteht große Gefahr, dass Trump versucht, die Zusagen von Paris nicht einzuhalten", meint Moellendorf. Die rechtlichen Möglichkeiten, aus dem Klimavertrag auszuscheren, seien zwar begrenzt: Bis die USA von dem Vertrag zurücktreten könnten, vergingen vier Jahre - also eine Präsidenten-Amtszeit. "Aber es ist eine andere Sache, Zusagen zu brechen", fürchtet er. Zwar gebe es in dem Pariser Vertragswerk einen Durchsetzungsmechanismus - "aber der steht nur auf dem Papier." (dpa)


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