Die schöne, neue Uni

BILDUNG Wie die Digitalisierung unsere Hochschulen verändert

Jürgen Bolten (r.) unterrichtet an der Uni Jena interkulturelle Wirtschaftskommunikation. In seinen Vorlesungen vernetzt er seine Studenten mit denen anderer Länder. (Foto: Bildarchiv Uni Jena)

Durch die Digitalisierung verändern sich die Hochschulen. Auf der Bildungsmesse Didacta haben Professoren vorgestellt, welche neuen Konzepte sie derzeit in der Lehre ausprobieren.

- Inverted Classroom: Professor Jörn Loviscach von der Fachhochschule Bielefeld hat seine letzte reguläre Mathe-Vorlesung vor vier Jahren gehalten. Er unterrichtet Mathematik für Ingenieure und technische Informatik, aber auch Fächer wie Wind- und Wasserkraft. Mitschnitte aus seiner Grundlagenvorlesung hat er für Erstsemester ins Netz gestellt. Seine Studenten sollen die Vorlesung ansehen, in der Veranstaltung an der Hochschule baut er dann darauf auf. Loviscach sieht den Vorteil darin, dass die Präsenzzeit für das gemeinsame Arbeiten und vor allem Diskutieren zur Verfügung steht und er viel mehr Gelegenheit zu persönlicher Betreuung hat.

Frösche virtuell sezieren

- Virtuelle Labore: Experimente gehören bei Naturwissenschaftlern und Ingenieuren ab dem ersten Semester dazu. "Elektronische Schaltungen aufbauen oder Frösche sezieren - das muss heute nicht mehr im Labor gemacht werden, diese Experimente können längst am Computer simuliert werden", erklärt Professor Loviscach. Wartelisten für Laborpraktika erübrigen sich dann.

- Generationenübergrei­fendes Lernen: Professor Bolten von der Universität Jena experimentiert mit neuen Formen, die von Studenten angefertigten Hausarbeiten nachhaltiger zu nutzen. Macht er in einem Semester ein Seminar zum Thema Werbegeschichte, sammelt er mit Hilfe einer Software diese auf einer Plattform im Netz. Bietet er in späteren Jahren einen ähnlichen Kurs an, können Studenten auf die damals auf der Plattform gesammelten Informationen zurückgreifen. "Ich wollte verhindern, dass Studenten mit viel Mühe Hausarbeiten anfertigen, die dann später im Regal verschwinden", erläutert er. "Alles, was die Note 2,0 und besser erhält, lade ich hoch."

- Virtual Classroom: Dass Studenten aus München, Hamburg, Moskau und Peking parallel an einer Vorlesung teilnehmen, ist mit einem Virtual Classroom kein Problem. Studenten treffen sich im Netz und erarbeiten gemeinsam ein Thema. Für Professor Bolten ist das ein großer Vorteil. Dank des Virtual Classrooms beschäftigen sich Studenten nicht nur in der Theorie damit, wie interkulturelle Kommunikation funktioniert. Sie wenden das Erlernte in der Praxis an, indem sie gemeinsam mit Studenten aus anderen Ländern ein gemeinsames Projekt erarbeiten.

- MOOC: MOOC steht für Massive Open Online Courses. Das sind Vorlesungen im Netz, für die sich jeder einschreiben kann, der einen Internetzugang hat. Neu an den MOOCS ist, dass sie speziell fürs Netz kreierte Lehrveranstaltungen sind - mit kurzen Videos, anschließenden Tests und Diskussionsforen. Die Stiftung Warentest hat im Netz unter http://dpaq.de/SaVsm eine Auswahl an Plattformen zusammengestellt, über die Onlinevorlesungen abrufbar sind. (dpa)


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