Made oder Meteorit?

WISSENSCHAFT Australische Forscher entdecken Crowdfunding

Bekommt Unterstützung durch Crowdfunding: Alastair Tait in der Nullarbor-Wüste in Australien. (Fotos: privat/dpa)

Die beiden Forscherinnen Melanie Thomson (r.) und Michelle Harvey werben auf einer Crowd-Funding-Plattform mit Kuscheltieren für ein Forschungsprojekt zu Maden und Bakterien.

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"Wir haben um 4000 Dollar geworben", sagt der Doktorand an der Monash-Universität in Melbourne - rund 2800 Euro. "Zusammengekommen sind 12 209 Dollar." Damit konnte er das Expeditionsteam vergrößern und den Ausflug verlängern. Crowdfunding für wissenschaftliche Projekte macht in Australien seit ein, zwei Jahren Schule. Die Forscher sind begeistert von den neuen Möglichkeiten.

Melanie Thomson und Michelle Harvey von der Deakin-Universität haben auf der Plattform Pozible 10 000 Dollar gesammelt, um lebende Maden als Killer von Bakterien zu erforschen.

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Die beiden erklären ihr Projekt in einem Video anschaulich mit Kuscheltieren: eins die Made, eins die Bakterie. Können Stammzellen aus dem Auge Blindheit heilen? Was können Neurowissenschaftler zum Kampf gegen die Versauerung der Meere beitragen? Wie lässt sich besser über das Tabu-Thema Durchfall aufklären? Wissenschaftler werben schon für Hunderte Projekte auf einschlägigen Plattformen.

Crowdfunding sei ein Segen für junge Forscher, sagt der Meeresforscher Ben McNeil. "Die bisherige Forschungsförderung funktioniert hinten und vorne nicht."

Nur noch etablierte Wissenschaftler mit langen Résumés und wissenschaftlichen Veröffentlichungen hätten Chancen auf staatliche Gelder.

"Dabei werden 82 Prozent der später mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Entdeckungen von Doktoranden oder jungen Forschern gemacht", sagt er. Er hat an der Universität New South Wales deshalb die Plattform Thinkable.org gegründet. Auch dort seien für verschiedenste Ideen schnell tausende Dollar zusammengekommen.

Seine neue Idee: Interessierte sollen möglichst eine Art Abo abschließen, und einen jungen Forscher über Monate oder noch länger mit kleinen Beträgen fördern. "Die Wissenschaftler müssen die Leute dann natürlich auf dem Laufenden halten und ihre Ergebnisse ständig auf ansprechende Weise präsentieren." Ein Video aus dem Labor, ein Smartphone-Interview mit einem Kollegen - das reiche oft schon.

Wichtig sei es, die hohe Wissenschaft für alle zugänglich zu machen, meint Deb Verhoeven, Professorin für Medien und Kommunikation an der Deakin Universität in Melbourne. "Meist kommen die Wissenschaftler zuerst mit sehr akademischen Exposés. Dabei lässt sich zu den meisten Projekten doch eine spannende Geschichte erzählen, wenn man sie erst einmal aus dem Labor holt."

Projekte müssen für alle verständlich erklärt werden

Das brauche viel Zeit, räumt Verhoeven ein. "Aber man muss bedenken, dass herkömmliche Anträge auf Projektfinanzierung viel komplizierter sind - und davon ist nur jeder fünfte erfolgreich." Ihre Uni hat in zwei Jahren 125 000 Dollar mit Crowdfunding bekommen. Das Geld fließt überall in Projektkonten. Die Universität überwacht die Auszahlung.

Ein Großteil der staatlichen Wissenschaftsforschung wird vom australischen Wissenschaftsrat (ARC) organisiert. Dessen Vorsitzender Aidan Byrne sieht Potenzial im Crowdfunding für wissenschaftliche Projekte. Allerdings bestehe die Gefahr, dass die Öffentlichkeit sich nur auf Projekte mit süßen Tieren oder gerade aktuellen Themen stürze, oder, dass fragwürdige Projekte auch in Pseudowissenschaften gefördert würden, etwa zu Ufos oder Außerirdischen. "Aber die meisten Projekte werden von geprüft, das dürfte die schrulligsten Projekte aussortieren."

Taits Meteoritenforschung ist davon weit entfernt. "Meteoriten können uns verstehen helfen, wie die Erde geformt wurde", sagt er. "Wir wissen ja nie vorher, was wir finden." Seine Crowdfunder belohnt Tait etwa mit einem Tektit - ein Glasobjekt, das auf der Erde durch den Einschlag eines Meteoriten entstanden ist.

Großzügige Spender bekommen das "Nullarbor-Kochbuch" - Ideen, wie eine Truppe junger Wissenschaftler sich in der Wüste fernab jeder Zivilisation zehn, zwölf Tage lang ernähren kann. (dpa)


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