Mikroplastik-Müll belastet die Meere

UMWELT Abfall wird von Lebewesen aufgenommen und kehrt zum Menschen zurück

Mit Plastikflaschen verschmutzter Atlantikstrand von Ngor, Dakar, Senegal. Mindestens 270 000 Tonnen Kunststoffteile schwimmen als riesige Plastikinseln auf den Meeren. (Foto: Bothma/dpa)

Sie lagern sich teilweise in Form von Mikroplastik in Fischen und Vögeln ab, die dann auf unseren Tellern landen könnten. Mit einem internationalen, rund 7,5 Millionen Euro teuren Forschungsprogramm will die Bundesregierung Auswege aus der zunehmenden Vermüllung der Meere suchen, die Mess-Methodik verbessern und Auswirkungen auf die Umwelt klären.

Wie groß ist das maritime Plastikmüll-Problem?

Es hat "gigantische Ausmaße", warnt Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU). Mindestens 270 000 Tonnen Plastikmüll schwimmen nach Schätzungen von 2013 auf den Weltmeeren. Bereits 1997 wurde der oberflächliche Abfall-Teppich im Nordpazifik auf eine Größe geschätzt, die der Fläche Deutschlands und Frankreichs entsprach. "Aber das ist nur das sichtbare Problem", betont Wanka: Zwei Drittel des schwimmenden Plastikmülls sinken auf den Meeresboden.

Woher kommt denn der ganze Abfall, der unsere Meere belastet?

Aus Kläranlagen und Flüssen gelangt viel Müll ins Meer. Aber auch über den Wind, der weggeworfene Plastiktüten ins Wasser weht, über achtlose Touristen am Strand, über Offshore-Plattformen - und auch durch Schiffsbesatzungen, die ihre Abfälle ins Meer kippen.

Wie wird aus Plastikflaschen und -tüten schließlich Mikroplastik?

Auf dem Meeresgrund fanden Wissenschaftler bei Stichproben große Mengen winziger Plastikteile. Inzwischen weiß man, dass größere Teile mit der Zeit im Wasser zerschrotet oder durch Wellen und UV-Strahlung zerkleinert werden. Diese Mikropartikel (kleiner als fünf Millimeter) werden gefressen, an den Strand zurückgespült und am Meeresboden abgelagert. Bis Plastik-Elemente im Meer abgebaut sind, dauert es eine halbe Ewigkeit - bei Pet-Flaschen beispielsweise geht die Wissenschaft von 450 Jahren aus. Ein Herausfiltern aus dem Wasser ist nach heutigem Stand der Technik nicht möglich.

Was ist über Auswirkungen auf die Meeresökologie bekannt?

Noch recht wenig - dies soll das nun gestartete Forschungsprogramm von zehn europäischen Staaten ändern. Klar ist aber immerhin, dass Mikroplastik schon von kleinsten Organismen aufgenommen wird.

Was bedeutet das für größere Lebewesen und uns Menschen?

"Man findet die Partikel in vielen marinen Organismen, in Muscheln, Fischen oder auch Fischlarven. Das geht quer durch die Nahrungskette", so WWF-Meeresschutzexperte Stephan Lutter.

Wie bewerten Wissenschaftler die Plastikmüll-Entwicklung?

"Wir sollten das Meer immer mitdenken - es ist kein fremder Planet, sondern Teil unserer Erde und unseres Lebens", sagt Antje Boetius, Professorin für Geomikrobiologie der Universität Bremen. Bei Tauchfahrten hat Boetius die Auswirkungen auf und in den Meeren erlebt. Diese werden immer sichtbarer, erzählt die Professorin: Selbst im Eis der Arktis wurden die Abfallreste entdeckt. Und auch an den Urlaubsstränden der Nordsee - mit gut 700 Müllteilchen auf 100 Meter Küstenlinie. (dpa)


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