"Nehmt, was ihr kriegen könnt!"

Sozialerhebung Studentenwerkschef gibt Tipps

Herr Stobbe, im Durchschnitt stehen den Studierenden rund 918 Euro im Monat zur Verfügung. Davon lässt es sich doch ganz gut leben, oder?

Ralf Stobbe: Im Durchschnitt haben die Studierenden 918 Euro im Monat zur Verfügung. Betrachtet man aber die Verteilung, wird klar, dass mehr als ein Viertel mit weniger als 700 Euro auskommen muss. Zwar werden viele Studierende von ihren Eltern unterstützt, immer mehr sind aber auch erwerbstätig, um ihren Studienalltag zu finanzieren. In Fulda sind es 66 Prozent, in Gießen 69 Prozent. Unstrittig ist, dass der Kostendruck auf die Studierenden insgesamt zunimmt, vor allem im Bereich Wohnen. Die Miete bleibt mit 35 Prozent der größte Ausgabeposten.

Steigende Mieten sind ein Problem für die Studierenden?

Stobbe: Eindeutig ja. Im Durchschnitt müssen Studierende 323 Euro im Monat für die Miete aufbringen - in Städten wie München, Köln und Frankfurt deutlich mehr, in Gießen mit durchschnittlich 300 Euro etwas weniger. Gerade Studierende aus weniger vermögenden Haushalten sind dringend auf Wohnheimplätze angewiesen. Derzeit bietet unsere Wohnheimverwaltung an den Standorten Gießen, Friedberg und Fulda mehr als 3000 Wohnheimplätze an - der weitere zügige Ausbau von Plätzen ist bereits angestoßen.

Welche Rolle spielt BAföG in der Studienfinanzierung?

Stobbe: Das durchschnittliche BAföG, das Studierende monatlich erhalten, liegt bei 435 Euro und hat sich gegenüber der Vorgängerstudie kaum verändert (2012: 436 Euro). Was mich allerdings erstaunt, ist, dass nur noch 18 Prozent aller Studierenden überhaupt BAföG-Leistungen beziehen - ein Rekordtief! Für die große Mehrheit der Geförderten ist BAföG eine Grundvoraussetzung dafür, überhaupt studieren zu können. Ich kann die Studierenden nur ermuntern, sich eingehend durch unsere Abteilung Studienfinanzierung beraten zu lassen.

Wie beurteilen Studierende die Verpflegung in der Gießener Mensa?

Stobbe: Laut Studie liegt der Anteil derjenigen, die mindestens einmal in der Woche eine Mahlzeit in der Mensa einnehmen, bei 73 Prozent. Verglichen mit 2012 ist der Anteil der Stammgäste um 5 Prozent zurückgegangen. Als Gründe für die Nichtnutzung geben Studierende vermehrt an, der Lehrplan sei zu straff und ermögliche ihnen nicht genug Pausen. Hier stimmen wir uns mit den Hochschulen über Seminarzeiten ab und erweitern unser Angebot zeitlich, zum Beispiel in der Abendmensa.

Welches Fazit ziehen Sie aus der Studie?

Stobbe: Besonders wichtig finde ich den Ausbau von bezahlbarem Wohnraum. Ich würde mir eine Unterstützung des Landes dafür wünschen. Auch im Bereich BAföG sehe ich Handlungsbedarf auf politischer Ebene. Gleichzeitig kann ich Studierende nur ermutigen, die Leistungen, die ihnen schon zur Verfügung stehen, auch in Anspruch zu nehmen. Sie können sich eingehend von ihrem jeweils zuständigen Studentenwerk beraten lassen und schauen, was jeweils vor Ort angeboten wird. Liebe Studierende, unsere Türen sind offen. Nehmt, was ihr kriegen könnt! (red)


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