Turbo-Ausbildung statt Studien-Abschluss

ARBEITSMARKT Wer sein Studium abbricht, hat Chancen im Programm "Jobstarter plus"

Umgeswitched: Arndt Kessler. (Foto: Foto: privat/Kessler)

Drei Versuche, dreimal durchgefallen. Das bedeutete automatisch die Exmatrikulation. Große Enttäuschung, tiefes Loch. "Es gab Zeiten, da war ich nicht gut drauf und habe mich gefragt, sitzt man jetzt auf der Straße", erzählt er. Es hat aber nicht lang gedauert, da hat er über das Aachener Projekt für Studienabbrecher "Switch" eine Art Turbo-Ausbildung zum Fachinformatiker gemacht, 18 Monate statt 36.

"Switch" ist eines von bundesweit 18 regionalen Projekten für Studienabbrecher im Programm Jobstarter plus des Bundesbildungsministeriums. Mit den Projekten sollen Studienabbrecher für eine duale Ausbildung gewonnen werden.

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Jeder Dritte bricht ab

Nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) bricht jeder Dritte sein Bachelor-Studium an deutschen Universitäten ab, an Fachhochschulen sind es mit 23 Prozent etwas weniger. Überfordert, kein Geld oder falsche Vorstellungen: Die meisten schmeißen ihr Studium in den "harten" Naturwissenschaften Mathe, Physik, Chemie und Ingenieurswissenschaften.

Bei seiner Suche nach einem Ausbildungsplatz als Informatiker war Kessler auf "Switch" gestoßen. Ein Gespräch, ein erster Test und dann landete sein Kurzprofil bei über 100 regionalen Unternehmen, die dem Projekt angeschlossen sind und sich für Studienabbrecher als Azubis interessieren. Mehrere Unternehmen wollten ihn, er entschied sich für den Aachener IT-Berater ComConsult Kommunikationstechnik.

"Wir haben schon vorher gerne Studienabbrecher eingestellt", sagt Personalleiterin Birgit Haveneth. Die Vorteile dieser jungen Leute liegen für Haveneth auf der Hand: "Sie haben erlebt, dass mal was nicht geklappt hat. Sie wissen, was sie wollen." Und - im Umgang mit Kunden seien sie auch souveräner.

Das müssen viele andere ähnlich sehen: Über 140 Unternehmen aus der Aachener Region konkurrieren bei "Switch" um die Azubis aus den Unis. Die Ausbildungszeit in dem Projekt ist deutlich kürzer als normal: Der Lehrplan ist gestrafft, die Ausbildungszeit beträgt je nach Beruf 18 bis 24 Monate. Dieser Anreiz war für Kessler so stark, dass er sich sogar für den Umzug nach Aachen entschloss, schweren Herzens zunächst ohne Freundin.

Kritiker verstummen

Vor dem Start 2011 gab es Skeptiker: Verkürzte Ausbildung für Studienabbrecher? Aber als die ersten Klassen mit einem Durchschnitt von 1,6 und 1,7 abschlossen, waren die schnell verstummt.

Arndt Kessler ist mittlerweile froh und auch ein bisschen stolz, dass alles so geklappt hat. Auch privat gibt's ein gutes Ende: Seine Freundin lebt jetzt auch in Aachen.


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