Ärzte unter Kostendruck

Von Michael Klein

Wenn bei jährlich 718 Millionen Behandlungsfällen in Arztpraxen und Kliniken 6500 offiziell bestätigte Behandlungsfehler auftreten - also 0,0009 Prozent -, dann ist das tatsächlich kein schlechtes Zeugnis für die Ärzte. Jeder Behandlungsfehler ist für den Betroffenen tragisch, aber welche andere Berufsgruppe außer den Medizinern kann eine ähnlich geringe Fehlerquote vorweisen?

Natürlich gilt auch hier der Satz: Gut ist nicht gut genug. Aber jede Qualitätsverbesserung der ärztlichen Leistung kann sich ja nur noch im Promillebereich auswirken. Die beruhigende Nachricht lautet bereits jetzt: Wer ins Krankenhaus oder zum niedergelassenen Arzt geht, kann dies ohne Angst davor tun, dass ihm Schlimmes widerfährt - ganz im Gegenteil. Selbst wenn die Dunkelziffer der sogenannten Kunstfehler 1000 Mal höher wäre als die offiziell ermittelte Zahl - also bei knapp 1 Prozent läge -, dann blieben unter dem Strich die Heilungschancen einer Behandlung mit weitem Abstand größer als das Risiko.

Anzeige

Auf Nachfrage gibt selbst die AOK zu, dass es in den vergangenen Jahren Fortschritte bei der Patientensicherheit gegeben hat. Ein Grund zum Ausruhen ist das freilich nicht. Zum Beispiel ist das Problem der Krankenhauskeime trotz vielfältiger Bemühungen um mehr Hygiene nicht beseitigt.

Mindestens so gefährlich wie die Keime ist für Patienten aber das, was sich hinter den Kulissen des Gesundheitswesens abspielt. Wer mit Ärzten spricht, hört seit Jahren zunehmend Klagen über ausufernde Bürokratie und immensen Kostendruck. Längst sind die Zeiten vorbei, in denen ein Arzt einem Kassenpatienten das verordnen konnte, was er medizinisch für notwendig hielt. Die Patienten wissen das nur zu gut. Und wer einmal erlebt hat, wie ein Arzt im privatisierten Uniklinikum Gießen mangels Personal zwischen Sprechstunde und OP-Saal hin und her hechten muss, der weiß, wo die Gefahren für die medizinische Qualität lauern.

Verantwortlich dafür sind die, die nun wieder mit einer aufwendigen Studie die Qualität der Ärzte in Frage stellen: die Krankenkassen.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2014
Kommentare (0)
Mehr aus Standpunkte Hessen und Welt