Aktionäre sollen haften - richtig so

Von Mika Beuster

Der neue EU-Plan zur Abwicklung von Pleitebanken kann einen Beitrag leisten, dass sich dieser Eindruck nicht weiter verfestigt. Denn nach dem Plan sollen die Eigentümer der Bank als Erste haften, wenn ein Institut pleite geht - also die Aktionäre. Dass dies so explizit geregelt wird, ist überfällig. Denn zu lange mussten die Menschen den Eindruck gewinnen, dass die Staaten die Banken retten, egal wie sie sich verhalten - und die Aktionäre, Gesellschafter und Eigentümer geschont werden. Sobald die geretteten Institute aber wieder Gewinne erzielten - Beispiel Commerzbank - wurde durch Bilanztricks das ganze so dargestellt, dass der Staat an diesen nicht mehr beteiligt war. Gewinne privatisieren - Verluste sozialisieren: Zu Recht führte dieses Verhalten der Politik zu Protesten.

Andererseits - Banken, Finanzsystem, das sind abstrakte, schwer greifbare Systeme. Dem Bürger ist der Kindergarten vor Ort wichtiger, die Schule oder dass die Krankenkasse möglichst viel von dem bezahlt, was in der Apotheke benötigt wird. Da haben viele kein Verständnis, dass so viel von dem, was von der Lohntüte in den Staatssäckel wandert, direkt in die Rettung von Banken gesteckt wird. Es ist ein großes Versäumnis von Politik, Wirtschaft, Banken und Medien, dass nicht mehr erklärt wurde, welchen wichtigen Beitrag die Kreditinstitute bei der Sicherung des Wohlstandes und für das Wachstum der Wirtschaft beitragen. Bankenrettung ist kein Selbstzweck - Ziel muss immer sein, das Geld der Bürger zu sichern. Doch wenn dies von den Menschen so nicht empfunden wird, dann muss gegengesteuert werden. Der EU-Plan kann dabei nur ein erster Schritt sein.


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