Bienenfleißig für Europa

Von Regina Tauer

Wie sagte Parteichef Cem Özdemir zum Parteitagsauftakt: "Wir wollen die parlamentarische Vertretung der Honigbiene in Brüssel sein." Sinnbild für die ökologische Rückbesinnung der Partei. Einfach wird das nicht. Der Europawahlkampf steht im Zeichen der Eurokrise und ihrer Folgen. Die Skepsis der Bürger gegenüber Europa wächst. Das spielt vor allem Nationalisten und Rechtspopulisten in den EU-Ländern in die Hände. Die Grünen werden sich anstrengen müssen, um dagegen ihre Idee von einem solidarischen grünen Europa zu setzen. In den südlichen Ländern verbinden viele Menschen mit Europa in erster Linie Sparzwang und Perspektivlosigkeit. Im Norden fürchten sie um Besitzstände und Wohlstand.

Um gehört zu werden, brauchen die Grünen in Brüssel Zuwachs. Dort wird auch für Deutschland immer mehr der Takt vorgegeben. Dazu kommt: Der grüne Einfluss in Berlin ist angesichts der Machtfülle der großen Koalition gering. Von hier aus lassen sich keine Bälle ins europäische Spielfeld platzieren. Die Grünen sind im Berliner Politikbetrieb nahezu auf die Zuschauertribüne verbannt. Stiche können sie jetzt nur von außen setzen. Doch hier zeigt sich, dass die Ökopartei eine gewisse Zurückhaltung übt. Fast so wie die Biene, die sich scheut, ihren Stachel einzusetzen. Die Grünen wollen die Tür zur Zusammenarbeit nicht zuschlagen, sehen vor allem die Energiewende in Gefahr. Eine späte Erkenntnis: Jetzt rächt es sich, dass der Mut gefehlt hat, in Berlin den Weg zu gehen, den die hessischen Grünen eingeschlagen haben.


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