Brandgefährliche Mischung

Von Regina Tauer

In ihrem Gewaltausbruch einte die Fußballschläger, die oft als untereinander verfeindet eingeschätzt werden, ein Thema: Die Gegnerschaft zu den Salafisten, das Feindbild Islam. Man macht es sich zu einfach, wenn man meint, die Hooligans hätten jeden beliebigen Anlass genommen, um marodierend durch die Straßen zu ziehen. Nein, sie haben angedockt an einer Sorge, die die Menschen im Land umtreibt. Ausgelöst von den Gräueltaten des Islamischen Staates in Syrien und Nordirak und den Berichten über Dschihadisten aus Westeuropa wächst die Angst der Bürger vor Terroranschlägen in Deutschland. In dem sie dieses Thema besetzen wittern rechtsextreme Gruppierungen die Chance einen Brückenkopf ins bürgerliche Lager hinein zu errichten. Als kampfbereite Truppe gegen einen schwachen Staat, der seinen Feinden mit dem Demonstrationsrecht noch den Weg ebnet sozusagen.

Warnungen, dass Neonazis die Hooligan-Szene zu unterwandern versuchen, wurden offenbar in der Vergangenheit nicht ernstgenommen. Auch jetzt heißt es bei der Analyse der Straßenschlachten von Köln etwas vorschnell, Rechtsextreme hätten sich den Hooligans angeschlossen, sie aber nicht gesteuert. Auch wenn es so sein sollte, das nimmt den Ereignissen mitnichten ihre politische Brisanz. Denn unabhängig davon waren bei dem Aufmarsch ausländerfeindliche Parolen zu hören und Übergriffe auf Menschen, die den Hooligans irgendwie fremdländisch vorkamen, zu registrieren. Rechtsextreme und Schläger dürften also in nicht wenigen Fällen identisch sein.

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Bei aller berechtigten Angst, der IS-Terror könne auch auf Deutschland übergreifen: Diese Mischung aus Gewalt, religiöser Intoleranz und Ausländerhass ist brandgefährlich. Aufmärsche wie die Hooligan-Randale dürfen sich nicht wiederholen. Die Überlegung, das Demonstrationsrecht denen zu verweigern, die es zur Volksverhetzung und/oder Gewaltausübung missbrauchen, geht in die richtige Richtung. Das muss im übrigen auch für gewaltbereite Islamisten gelten.

Etwas Positives dürften die Ausschreitungen von Köln möglicherweise dennoch bewirkt haben: Der Versuch Rechtsextremer, mit dem Aufgreifen der Ängste in Sachen Salafismus Sympathiepunkte beim verschreckten Bürgertum zu sammeln, wirkte - hoffentlich - eher abschreckend. Von derlei Hilfstruppen fühlen sich die meisten wohl abgestoßen.

- Bericht S. 1, Blickpunkt S. 3


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