Chance für Staat und Verbraucher

VON KIRSTEN OHLWEIN

Zum einen für die Politik: Verbraucherministerin Ilse Aigner weist im Fall der Bio-Eier alle Schuld von sich und sieht die Kontrolleure der Länder als Schuldige. Dennoch ist die Regierung jetzt in der Pflicht, nicht nur schärfere und bessere Kontrollen auf Bio-Höfen und in der Massentierhaltung durchzusetzen, sondern generell die Gesetze zum Verbraucher- und Tierschutz zu überarbeiten. Immerhin ist im September Bundestagswahl und die Lebensmittelskandale könnten am Ende das Zünglein an der Waage sein und den Grünen - wie schon bei der Atom-Katastrophe in Fukushima - zu ungeahnten Höhenflügen verhelfen. Will die schwarz-gelbe Regierung das verhindern, ist jetzt Handeln angesagt. Schnell, nachhaltig, glaubwürdig und unabhängig von den Berliner Lobbyisten, die in der Vergangenheit so manches Tierschutz- und Verbraucherschutzgesetz verhindert haben.

Zum anderen bietet sich eine Chance für die Verbraucher: Wer wiederkehrend und mutwillig betrogen wird, öffnet irgendwann die Augen. Die Maßgabe kann nur lauten: Finger weg von Fertigprodukten, Finger weg von Gerichten, in denen Inhaltsstoffe enthalten sind, die man nicht kennt. Und Finger weg von Lebensmitteln, deren Preise jeder Vernunft entbehren. Wenn ein Kilo Hähnchenschenkel 3,39 Euro kostet, das Kilo Hundefutter aber 4,49 Euro, stellt das die gesamte Struktur der Industrie auf den Kopf. Eine Tiefkühl-Lasagne für 1,99 Euro ist nicht günstiger als eine selbst zubereitete mit frisch gekauften Zutaten.

Für die Verbraucher gilt mehr denn je: Hin zu regionalen Produkten, hin zu Eiern vom Bauern um die Ecke, hin zum frischen Fleisch vom Metzger aus dem Ort, der im besten Fall selbst schlachtet. Nur so ist kein Betrug möglich. Dass dies die teurere Variante ist, sollte angesichts der höheren Qualität keine Rolle spielen. Immerhin geht es um das, was uns am Leben erhält: Nahrung.


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