Das Prinzip Hoffnung

VON MICHAEL KLEIN

Allein die Einwohnerzahlen von Gießen, Wetzlar und Marburg entsprechen zusammen derjenigen Kassels. Dazu kommen eine der größten Uni-Kliniken Deutschlands, gleich mehrere Hochschulen, unzählige weltweit agierende Konzerne, ein starker Mittelstand: Wann endlich bekommt Mittelhessen seinen Regionalflughafen?

Diese Frage muss stellen, wer der Logik der Befürworter des neuen Kasseler Flughafens folgt, allen voran Ministerpräsident Volker Bouffier. Der sprach bei der Eröffnung neben dem Rollfeld viel vom hessischen Wirtschaftszentrum Rhein-Main, das durch ein starkes Wirtschaftszentrum Nordhessen ergänzt werden soll - nur eines erwähnte der Regierungschef aus Mittelhessen nicht: Mittelhessen.

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Folgt man Bouffiers Argument, dass eine wirtschaftlich starke Region durch einen eigenen Flughafen noch stärker wird, dann müsste sofort die 716 Meter lange Asphalt-Piste des Flughafens Gießen-Lützellinden zu einer 2500 Meter langen Start- und Landebahn für große Flieger ausgebaut werden. Zumal dieser mittelhessische Regional-Airport über die Straße weit besser angebunden wäre als die Piste in der nordhessischen Pampa.

Der Grund, warum die hessische Landesregierung mit zweierlei Maß misst, liegt auf der Hand: Der Ausbau-Beschluss für Kassel-Calden stammt aus dem Jahr 1999 - einer Zeit also, in der noch keine Wirtschaftskrise auf die Fluggastzahlen drückte. Ob heute noch einmal ein so weitreichender Beschluss gefasst würde, ist fraglich.

Denn der nordhessische Flughafen ist ausschließlich auf das Prinzip Hoffnung gebaut. Fest stehen bislang nur die jährlichen Millionen, mit denen alle Steuerzahler in Hessen das fragwürdige Projekt Jahr für Jahr finanzieren werden. Dass ausgerechnet die FDP, die sonst nicht müde wird, Subventionen aller Art zu geißeln, zu den glühenden Verfechtern zählt, ist besonders pikant.

Dass Bouffier und seine Regierung in Wahrheit nicht wissen, wie das Experiment Calden ausgeht, zeigt die empfindliche Reaktion Bouffiers, wenn er den Kritikern "Häme" und "Niedertracht" unterstellt. Wohl wissend, dass zu diesen Kritikern nicht nur die üblichen Verdächtigen gehören, sondern führende Vertreter der Wirtschaft - natürlich keine aus Nordhessen.


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