Das letzte Vertrauen ist verspielt

Von Michael Klein

Es wäre ein Akt der Selbstachtung, wenn der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst von seinem Amt zurücktreten würde. Einem Amt, das wie kein anderes in seinem Bistum Vorbild zu sein hat. Ein solches Amt kann niemand ausfüllen, den seriöse Finanzprüfer wie der frühere Chef der hessischen Staatskanzlei, Jochen Riebel (CDU), de facto der Lüge bezichtigen. Jemand, der damit über Jahre hinweg nicht nur gegen ein zentrales Gebot des Alten Testaments verstoßen hat, sondern mit seinem ganzen Handeln auch gegen den Geist des Neuen Testaments.

Was hätte wohl Jesus zu dem 31-Millionen-Bau für den Limburger Bischof gesagt, in dessen Bistum ansonsten ein rigider Sparkurs gefahren wird? Vielleicht dies: "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden. Sammelt euch aber Schätze im Himmel."

Jeder Mensch ist fehlbar - auch ein Bischof darf Fehler machen. Aber er darf nicht systematisch die Unwahrheit in einer zentralen Frage seiner Amtsführung sagen. Zwei Jahre lang hat das Bistum keinen Haushaltsplan vorlegt, wie die internen Finanzprüfer kritisieren. Sieht so Ehrlichkeit aus?

An einen Rücktritt denkt Tebartz-van Elst freilich nicht. Was für jeden Politiker in einem vergleichbaren Fall unausweichlich wäre, gilt nicht für den Limburger Kirchenfürsten. Der Bischof hat sich auch schon eine Verteidigungsstrategie zurecht gelegt: Nicht er sei für Verwaltungsfragen seines Bistums zuständig, sondern Generalvikar Franz Kaspar. Sollte Tebartz-van Elst also nicht mitbekommen haben, dass sich die Kosten für seinen Bischofssitz mehr als verzwölffacht haben?

Kaum zu glauben, dass dies den neuen Papst überzeugt, dessen Amtsverständnis im Gegensatz zu dem des Limburger Bischofs steht. Franziskus lebt und lehrt nicht nur Bescheidenheit im ursprünglichen christlichen Sinne, er öffnet seine Kirche auch für jene, die diese lange Zeit verstoßen hatte. Er rückt im Sinne Jesu den Menschen wieder ins Zentrum, ohne Ansehen von Herkunft und Besitz. Und er fühlt sich in einem alten Gebrauchtwagen wohler als in einem prunkvollen Dienstwagen oder der Ersten Flugzeugklasse.

Auf Dauer passt das nicht zusammen.


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