Demokratie heißt Gleichberechtigung

Frauenrechte

Von Verena Napiontek

Schließlich ist Gleichberechtigung ein wichtiger demokratischer Grundsatz: Ohne dieses Grundrecht hat es noch kein Land zu vollständiger Demokratie geschafft. Wo Frauenrechte fehlen, werden umgekehrt auch Demokratisierungsprozesse ausgebremst. Demokratie braucht immer Männer- und Frauenstimmen – denn nur Vielfalt kann die Politik verändern. Und ohne die Achtung aller Mitglieder einer Gesellschaft und ohne Freiheitsrechte ist eine gleichberechtigte politische Teilhabe ebenfalls nicht denkbar.

Auch im Arabischen Frühling hat es sich gezeigt, dass der Aufbau demokratischer Strukturen letztlich durch fehlende Frauenrechte ausgebremst wurde. Frauenrechte sind für die Bildung einer Demokratie essenziell, heißt es darum auch in einer Studie der Universitäten in Göteborg und Stockholm. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Gesellschaft demokratischer wird, ist zudem deutlich höher in Ländern mit einer längeren Tradition der Mädchenbildung.

Anzeige

Nicht wenige Völker und Kulturen sehen Frauen aber auch im 21. Jahrhundert immer noch nicht als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft an. Darüber sollte sich jeder empören, der es mit der Demokratie ernst meint.

Doch selbst in der Bundesrepublik Deutschland sind wir – trotz Bundeskanzlerin und etlicher Ministerinnen im Kabinett – noch längst nicht am Ende der Fahnenstange angekommen. Noch immer sind Frauen trotz jahrzehntelanger Kämpfe um Gleichstellung auch in Deutschland und anderen westlichen Parlamenten unterrepräsentiert.

Im Deutschen Bundestag sitzen laut der der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) 37,1 Prozent weibliche Abgeordnete (Stand: November 2016) – obwohl Frauen etwas mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung ausmachen. Fraueninteressen sind in Deutschland im Vergleich zu anderen Belangen wie etwa dem Umweltschutz schwach organisiert, heißt es bei der EAF.

Und man muss sich sogar noch weitergehende Sorgen um Rückschritte in der Gleichstellung auch in der westlichen Welt machen spätestens seit der Wahl von Donald Trump in den USA und dem Erstarken der Rechten. Angriffe auf als selbstverständlich empfundene Frauenrechte werden wieder häufiger. Das erinnert daran, dass auch die Nationalsozialisten schon einmal die Zeit zurückdrehten.

Die AfD wirbt offen für eine Rückabwicklung zahlreicher Errungenschaften der Gleichstellung von Mann und Frau. Die Partei wähnt nämlich hinter dem längst etablierten Instrument des „Gender Mainstreaming“ – also die Strategie zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter – das Ziel, die traditionelle Familie zu zerstören. Insbesondere, wenn es um Frauenrechte und Gleichberechtigung geht, erkennt man auch Parallelen zwischen der AfD und der populistischen Polemik von US-Präsident Donald Trump.

Dabei sollte nicht vergessen werden, dass es in der Debatte um Frauenrechte nicht zuletzt immer auch um Menschenrechte geht. Und diejenigen, die Frauen diskriminieren, schließen auch Minderheiten aus und machen sich über Menschen mit Behinderungen lustig. Trump verbot etwa mit einem seiner ersten Dekrete Entwicklungshilfezahlungen an Organisationen, die im Ausland Frauen in Familienfragen beraten und dabei auch Abtreibungen finanzieren. Nach Ansicht der Stiftung Weltbevölkerung (DSW) wird sich die Gesundheit tausender Mädchen und Frauen dadurch verschlechtern. Eines wird mit all dem klar – gesellschaftlicher Fortschritt und demokratische Strukturen sind keineswegs garantiert.


Jetzt kostenlosen Probemonat sichern und unbegrenzt auf mittelhessen.de und in der News-App lesen!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2017
Mehr zum Thema
Kommentare (2)
Gender Mainstreaming ist zu weitaus mehr mutiert als die Autorin uns weismachen will. Diese übertriebene und irrational häufig medial präsente Diversifizierung von Geschlechtern und Auflösung vermeintlich altmodischer mehr
Rollen- und Familienbilder ist ein gravierender Eingriff in die gesellschaftliche Struktur, ausgehend von einer absoluten Minderheit! Dass hieran mittlerweile unzählige Posten und Pöstchen in der Politik hängen macht es nicht besser, im Gegenteil!
Geleichberechtigung bringt auch Verantwortung mit ins Spiel. Was die meisten Menschen nicht übernehmen wollen. Sie wollen alles haben zu ihren Gunsten leben - aber dafür tun -wollen sie nicht, das sollen die anderen mehr
machen. Das ist linkes Gedankengut. Die einen arbeiten die anderen leben davon. In einer Demokratie muss jeder sein Schäfrlein dazu tun. Was Frau Nabiontek über die AfD und ihre Familienpolitk schreibt, stimmt so nicht - gerade das Gegenteil ist der Fall. Frau Nabiontek hat da wohl was falsch verstanden oder das Wahlprogramm der AfD nicht gelesen. Vielleicht hatte sie auch nur einen schlechten Traum.
Mehr aus Standpunkte Hessen und Welt