Der Ministerin ist viel Erfolg zu wünschen

Von Klaus P. Andriessen

Doch genau in den Ballungsräumen hat der Bestand am Sozialwohnungen rapide abgenommen, sicher auch als Folge einer verfehlten Politik, die im Erwerb eines Eigenheims den Königsweg sowohl der Altersvorsorge als auch der Versorgung mit Wohnraum sah. Sozialer Wohnungsbau erschien als überholtes Modell. In der Union gilt auch heute noch das private Eigenheim als besonders förderungswürdig. Doch diese Politik hat auch einen erheblichen Anteil daran, dass die Landschaft stärker als unbedingt notwendig zersiedelt worden ist. Viele Dörfer sind deshalb in der Fläche erheblich gewachsen. Die alten Ortskerne verfallen dagegen oder werden - in Großstadtnähe - luxussaniert. In beiden Fällen verschwand bezahlbarer und mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbarer Wohnraum. Damit sei nicht bestritten, dass auch Auflagen des Denkmalschutzes ihren Anteil an der Entwicklung haben. Denn immer wieder verfällt auch Bausubstanz, weil das fachgerechte Herrichten die Eigentümer überfordert. Oder die Rücksicht auf historische Bauten erschwert die Alltagsnutzung so sehr, dass ein Neubau auf der grünen Wiese als die bessere Alternative erscheint.

Für einen nachhaltigen Erfolg der Hendricks-Initiative wird der Bau neuer Wohnungen nicht ausreichen. Vielmehr müssen auch die Bedingungen des alltags- und generationengerechten Wohnens besser als bisher an die Lebenswirklichkeit der Menschen angepasst werden.

Daher ist es ausgesprochen sinnvoll, dass die Bundesbauministerin neben Eigentümern und Mietern auch Architekten und Kommunen in ihr Bündnis für bezahlbaren Wohnraum einbindet. Der Zuständigkeitsbereich Verkehr und Infrastruktur ist allerdings nur mittelbar durch die entsprechenden Zuständigkeiten der Kommunen in das Bündnis einbezogen. Da er jedoch entscheidenden Anteil bei der Gestaltung der Alltagsumstände hat, in denen sich Wohnen vollzieht, hätte auch das Verkehrsministerium des Ministerkollegen Alexander Dobrindt ins Bündnis hineingehört. Aber der muss sich ja um die von der CSU gewünschte Pkw-Maut kümmern.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2014
Kommentare (0)
Mehr aus Standpunkte Hessen und Welt