Der Wind weht aus der Mitte

Von Michael Klein

Hinter dem Aus für den Christdemokraten vom konservativen Parteiflügel steckt etwas Anderes. Man mus nur die Entwicklung der Bundes-CDU in den Blick nehmen, dann weiß man, was. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat als Parteichefin die Union von Grund auf erneuert. Auf der Stecke geblieben sind dabei etliche Exponenten der Ära Helmut Kohl - sehr zu dessen Verdruss. Dennoch war und ist Merkels Kurs der einzig richtige: Nur so konnte es die Union schaffen, in der Wählergunst stabil bei mehr als 40 Prozent zu liegen.

Die entmachteten Konservativen stricken, nicht ganz überraschend, an der Legende: Wenn die Union das Konservative nicht genug betont, stärkt sie Parteien wie die AfD. Tatsächlich aber speist sich diese neue Partei aus einem Heer von Unzufriedenen, darunter viele Nichtwähler.

Umgekehrt: Wäre die Union heute noch in der Verfassung wie am Ende der Ära Kohl, sie läge mit viel Glück noch bei 25 Prozent. Genau da, wo die SPD stabil zum Stillstand gekommen ist, die zuletzt einen linken Steuerumverteilungswahlkampf geführt hatte und die nun in Thüringen mit der Linkspartei koaliert - also weit entfernt von der Mitte.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, in vieler Hinsicht ein Gegenstück zum Vorgänger und Hardliner Roland Koch, vollzieht den Prozess der Hinwendung zur Mitte nun für die hessische CDU nach. Ihm bleibt gar keine andere Wahl, soll seine Partei bei der kommenden Landtagswahl Erfolg haben. Denn den gibt es wie im Bund nur in der politischen Mitte - das ist inzwischen eine Binsenweisheit. Hinzu kommt, dass die hessische CDU mit den Grünen regiert und dass dies eine Blaupause für die nächste Regierung im Bund werden soll.

In diese Pläne passt jemand wie Irmer an derart exponierter Stelle einfach nicht mehr rein. Er war nicht bereit, den Weg der Öffnung der Union zur Mitte mitzugehen. Damit ist er für die Partei zum Risiko geworden - deshalb muss er gehen.

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