Deutschlands Verantwortung

Von Michael Klein

Dass es Politiker am linken Rand des Parteienspektrums gibt, die in diesem Krieg von bewaffneten Terroristen gegen eine unbewaffnete Zivilbevölkerung keinen Anlass für ein militärisches Eingreifen von außen sehen, ließe sich verschmerzen. Sorgen machen muss aber, dass sich auch in weiten Teilen der Bevölkerung eine Haltung des Wegduckens in internationalen Konflikten breitgemacht hat, die bestenfalls bequem ist, schlimmstenfalls aber die Freiheit auch hierzulande bedroht.

Dass der Terrorismus, die Geißel unserer Zeit, nicht vor den demokratischen Ländern des Westens haltmacht, haben wir gerade erst wieder in Kanada erlebt. Solche Anschläge kann es jederzeit auch bei uns geben. Und je mehr Geländegewinne der Islamische Staat in Syrien und im Irak macht, desto anziehender wirkt er auf junge Leute, die glauben, es gäbe für sie keinen besseren Platz im Leben als in einer Terrororganisation.

Die Zurückhaltung der Deutschen ist einerseits verständlich. In Afghanistan etwa sind auch Soldaten der Bundeswehr ums Leben gekommen. Und dass der dortige Einsatz oder auch der im Irak die Dinge zum Besseren gewendet hätte, wird kaum jemand behaupten. Das heißt aber nicht, dass Misserfolge bei internationalen Kriegseinsätzen zwangsläufig sind.

Janusz Reiter, der erste Botschafter Polens in Deutschland nach der Wiedervereinigung, hat dieser Tage in einem Interview mit der "Welt" gesagt: "Selbstverständlich müssen wir auf politische Lösungen setzen, aber diese Methode hat ihre Grenzen, wie uns der Aufstieg von ISIS vor Augen führt."

Ausgerechnet ein Pole, und er ist nicht der Erste von hohem politischen Rang, fordert die Deutschen auf, jene Verantwortung zu übernehmen, die ihrer internationalen Machtposition entspricht. Das ist keine Kriegstreiberei. Hier bricht sich die Erkenntnis Bahn, dass ein Heer von Zehntausenden Terroristen nicht mit Sitzblockaden aufzuhalten ist. Ein entschlossener internationaler Militäreinsatz auch mit deutscher Beteiligung gegen den IS wäre ein Akt der Nächstenliebe gegenüber den wehrlosen Opfern dieser Mörderbande. Und zugleich ein eindrucksvolles Bekenntnis zu unseren Grundwerten von Freiheit und Demokratie.

- Politik S. 2


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