Die Kraft des Teilens

Von Mika Beuster

Ein Beispiel zeigt, welche Kraft in der Revolution der Teil-Wirtschaft steckt: Noch ist Deutschland ein autovernarrtes Land. Der Traum vom eigenen Wagen - möglichst groß, möglichst viel Pferdestärken, möglichst von einem deutschen Premiumhersteller - wandelt sich oft genug zum Albtraum. Dann nämlich, wenn das Versprechen von freier Fahrt für freie Bürger auf verstopften Autobahnen zurechtgestutzt wird. Oder wenn der Leasing- oder Kreditvertrag für das (vermeintliche) Statussymbol den eigenen finanziellen Spielraum so einengt, dass für andere Freuden im Leben kaum etwas bleibt. Und dabei steht das Gefährt die meiste Zeit des Tages - und nachts sowieso - ungenutzt draußen rum. Hier setzt der Gedanke des Teilens an.

In Zukunft wollen Firmen den Verbrauchern ein neues Angebot machen: Statt eines Autos bieten sie Mobilität an. Mit dem Mietauto in der Stadt fahren, es an einem Punkt abstellen und so jemand anderem zur Verfügung zu stellen, der den Service nutzt - in einigen Großstädten gibt es bereits funktionierende Beispiele des Auto-Teilens, des Car-Sharing. Mit Computertechnik soll dieses Prinzip nun verbessert werden, auf andere Bereiche des Lebens übertragen werden, mehr Menschen erreichen.

Es steckt viel Kraft in dieser Idee. Denn wenn Menschen Güter teilen, müssen auch weniger Güter hergestellt werden. Im Falle des Autos heißt das: Weniger Autos, weniger Rohstoffverbrauch, weniger Stau. Aber auch: Weniger Arbeitsplätze in der Autoindustrie, mehr Bedarf für den teuren Ausbau anderer Verkehrsformen.

Das Beispiel zeigt, dass auch die jetzt in Hannover diskutierte "Share-Economy" kein Allheilmittel sein kann, weder um die Umwelt zu retten, noch um die Wirtschaft vor der nächsten Krise zu bewahren. Denn noch bleiben Details unklar, viele Ideen und Konzepte sind unheimlich kompliziert - und die Messeveranstalter haben ihre liebe Mühe damit, sogar Fachleuten deutlich zu machen, um was es überhaupt geht.

Was bleibt ist eine große Chance - und da ist es besser, sie wird frühzeitig erkannt und ausprobiert. Was mit Gütern noch erst entwickelt werden muss, gilt für Ideen und Wissen bereits. Internetlexika werdem massenhaft schon heute benutzt, und die Nutzer sind gleichzeitig auch die Autoren. Durch dieses Teilen verbreitet sich auch das Wissen. Für die Computerbranche ist dies die Möglichkeit, zwei Jahrzehnte nach dem Durchbruch des Internets in Deutschland wieder einmal für gesellschaftlichen Wandel zu sorgen. Ob dieser am Ende ein durchweg positiver sein wird, bleibt abzuwarten.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2013
Kommentare (0)
Mehr aus Standpunkte Hessen und Welt