Die Welt rückt zusammen

Terror in Frankreich
Von Michael Klein

Im Gegenteil: In den Stunden des Schmerzes rücken wir zusammen. Ja, die Welt rückt zusammen. Von Washington bis Moskau, ob Christen oder Muslime: Alle vereint die Abscheu vor dieser feigen Barbarei, die wieder nur Unschuldige traf. Menschen, die ein Konzert besuchten, in einem Café saßen. Auch solche, deren Religion der Islam ist - wie damals am 11. September 2001.

Gegen diese Terroristen, das ist wieder die bittere Erkenntnis dieser Nacht, können wir uns nicht wirksam schützen. Frankreich hatte alles Menschenmögliche versucht. Am Wahrzeichen der Stadt, dem Eiffelturm, und an anderen neuralgischen Punkten patrouillierten schon seit Jahren bewaffnete Sicherheitskräfte. Nach dem Anschlag auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" war die Sicherheit noch einmal massiv verstärkt worden. Aber bei aller Anstrengung: Wir Menschen können nicht jeden Fleck auf der Erde schützen, an dem wir uns zu mehreren treffen. Nicht gegen solche Unmenschen, für die das Töten einziger Lebensinhalt ist.

Wenn wir nach Gründen suchen, warum gerade so viele Menschen nach Europa flüchten, dann haben wir sie in Paris vor Augen: Was dort in einer Nacht geschehen ist, das ist für Menschen in Ländern wie Syrien und dem Irak der Alltag. Gerade deshalb ist es eine Pervertierung der Wirklichkeit, wenn Rechtsextremisten jetzt versuchen, den Flüchtlingsstrom für die Anschläge verantwortlich zu machen. Damit spielen sie den Terroristen nur in die Hände. Die Wahrheit ist: Islamistische Terroristen und Rechtsextremisten sind sich einig in ihrem Kampf gegen wehrlose Menschen wie Flüchtlinge es sind. Wer versucht, Flüchtlinge mit Terror in Verbindung zu bringen, der macht sich zum Handlanger der Islamisten. Die Migranten sind ja gerade vor diesem Terror geflohen.

Der - zu Unrecht - sich auf den Islam berufende Terrorismus bedroht die Welt nicht erst, seit es Flüchtlingswanderungen gibt. Diese blutige Gewalt hat nur ein Ziel: Sie will die demokratische Welt spalten, um sie von innen heraus zu zerstören. Genau das wird nicht gelingen. Weil wir Demokraten uns die Demokratie nicht nehmen lassen. Weltweit heißt es heute: Nous sommes unis - wir sind vereint!


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