Digitaler Aufschwung braucht faire Regeln

Von Mika Beuster

Die digitale Welt wird immer wichtiger. Das zeigt sich auf der CeBIT in Hannover. Das Internet fängt an, aus dem Computer herauszuwachsen. Das "Internet der Dinge", in dem Maschinen miteinander vernetzt sind - in dem der Kühlschrank eigenmächtig Milch nachbestellt und das Auto einen selbstständig von der Arbeit nach Hause fährt - ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern schon greifbar.

Auf deutsche Firmen warten große Chancen. Damit hat Bitkom-Präsident Dieter Kempf recht, wenn er auf der CeBIT zur deutschen Aufholjagd in der IT-Branche bläst. Daten werden der Rohstoff des 21. Jahrhunderts sein. Wenn es Fachleuten gelingt, aus Datenbergen Wissen zu filtern, lässt sich dies auch in Geld umsetzen. In einem ansonsten an Rohstoffen armen Land wie Deutschland müssen mit einer solchen Vision zwangsläufig große Hoffnungen verbunden sein.

Daten sind gleich Wissen, und damit künftig gleichzusetzen mit Macht und Wohlstand. Dass neue Techniken entwickelt werden, neue Geräte den Menschen die Arbeit erleichtern, die Umwelt schützen, den Alltag verbessern - das ist natürlich. Der Mensch hat eine angeborene Neugier, er hat Freude am Entdecken und Entwickeln.

Doch genauso angeboren und natürlich ist die Gier. Wie bei anderen Rohstoffen auch, laufen Firmen Gefahr, Raubbau am neuen Daten-Rohstoff zu begehen. Wenn sie Daten-Kraken werden, die persönlichste Informationen der Nutzer wegen des Profits missbrauchen, ist der wirtschaftliche Aufschwung, der die digitale Revolution begleiten kann, in Gefahr.

Der Gesetzgeber muss frühzeitig handeln. Es müssen Regeln her, ähnlich denen, die in der realen Welt Raubbau an den Ressourcen verhindern. Umweltschutzgesetze verbieten das Verpesten der Umwelt, der Abbau von Öl oder Erdgas ist reguliert. Warum sollte es nicht auch ähnlich strenge Regeln für die Ausbeutung der Daten geben? Schließlich gehören die Daten der Menschen auch allen Menschen, und nicht wenigen Firmen, die das Geld und das Know-How haben, aus Daten Geld zu machen.

Der Bitkom-Präsident sagt als Sprecher der Branche derweil, dass eine zu starke Regulierung nicht mehr zeitgemäß sei. Die Firmen würden schließlich dahin wandern, wo die Bedingungen für die Firmen am besten sind. Klar ist aber auch: Gesetzlich geregelter Datenschutz kann auch ein Wettbewerbsvorteil sein. Das hat nichts mit Fortschrittsfeindlichkeit zu tun, im Gegenteil: Wenn Kunden wissen, dass deutsche Gesetze die Firmen zwingen, sorgsam mit ihren persönlichen Angaben umzugehen, werden sie am Ende wohl deutsche Digital-Firmen bevorzugen. Nachhaltiges Wachstum ist auch in der digitalen Welt nur durch faire Regeln möglich.


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