Ein Beitrag zur Terrorabwehr

Von Michael Klein

Gegen die Umtriebe von Geheimdiensten - sei es der amerikanische, der russische oder der im eigenen Land - kann man schweres Geschütz auffahren. Man kann seinen Computer und sein Handy vermeintlich abhörsicher ausstatten, bevor man feststellt, dass die Benutzung nun um einiges unbequemer ist - zum Beispiel, weil der Gesprächspartner ohne die entsprechende Ausstattung einen plötzlich nicht mehr versteht. Ob die technisch hochgerüsteten Geheimdienste gleichwohl alles bestens verstehen, weiß man in diesem Fall trotzdem nicht. Das liegt im Wesen von Diensten, die geheim operieren.

Unbestritten ist, dass Geheimoperationen im Kampf gegen den Terror ihre Berechtigung haben. Die Feinde der Demokratie unbehelligt Anschläge planen zu lassen, wäre unverantwortlich. Aber ebenso unverantwortlich ist es, dass die Geheimdienste dabei unbescholtenen Bürgern jene Freiheit rauben, die sie mit dem Anti-Terror-Kampf doch eigentlich schützen wollen. George Orwell hatte bereits 1948 eine Vorahnung davon. Sein Roman "1984" ist längst keine Fiktion mehr.

Wer sich im Keller seines Hauses verkriecht, um sicherzustellen, dass ihm nichts zustößt, wird nicht nur die Freiheit verpassen. Es ist immer noch denkbar, dass das Haus einstürzt oder er mangels Sonnenlicht einen frühen Tod stirbt. Ebenso verpasst jener Staat die Freiheit, der glaubt, diese verteidigen zu können, indem er sie mit Füßen tritt. Die Anschläge vom 11. September 2001 hat dieser Staat dennoch nicht verhindern können.

Terroristen geht es nur vordergründig darum, Menschen zu töten. Ihr eigentliches Ziel ist es, der Menschheit jene Freiheit zu nehmen, die ihnen selbst nichts wert ist. Geheimdienste, die beim Überwachen jegliches Maß verlieren, werden zu ihren unfreiwilligen Helfern.

Ihnen entkommt man nicht durch Gegenaufrüstung. Wer sich hingegen der Logik des totalen Überwachungsstaates entzieht, um seine eigene Freiheit zu behalten, der leistet damit auch einen Beitrag zur Terrorabwehr. Denn die Freiheit ist der größte Feind des Terroristen. Merkel hat das verstanden.


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