Ein Fall für den Psychologen

VON MICHAEL KLEIN

Der Steuerhinterzieher Uli Hoeneß gibt tiefe Einblicke in sein wahres Inneres. Manch einer ist erstaunt, dass dieses mit dem nach außen transportierten Bild des sozial engagierten Saubermanns nicht viel zu tun hat. Der stets korrekt wirkende Fußballmanager erscheint plötzlich als geldgierig, in erster Linie auf sein eigenes finanzielles Wohl bedacht.

Manchen Bayern-Fan wird auch das nicht aus der Fassung bringen. Der eine oder andere hält Steuerhinterziehung ohnehin für ein Kavaliersdelikt. In diesen Kreisen hat das Image des sauberen Herrn Hoeneß sicher nicht gelitten. Und vielleicht reicht ihm das schon: dass er überhaupt noch Freunde hat. Vielleicht ist es dem Bayern-Präsidenten schlicht egal, wie Leute über ihn denken, die sich an Recht und Ordnung halten.

Für diese Deutung spricht die Tatsache, dass sich Hoeneß nach seiner Selbstanzeige nicht einmal ansatzweise demütig zeigt. Er poltert, wie man es von ihm nicht anders kennt. Diesmal sind es Journalisten, gegen die er juristisch vorgehen will - so als hätten sie den Staat um horrende Geldsummen betrogen und nicht er selbst. Von Einsichtsfähigkeit zeugt dies nicht, eher von der Allmachtsphantasie eines Menschen, der sich selbst maßlos überschätzt. Hier hat nicht nur jemand - nach eigener Bezichtigung - die Allgemeinheit betrogen, der mutmaßliche Täter beansprucht auch noch die öffentliche Deutungshoheit über seine Taten.

So gesehen bleibt Hoeneß sich eigentlich nur selbst treu. Sein Groll auf manche Medien wirkt wie die Kehrseite des großkotzigen bayerischen "Mia san mia". Dass selbst die Bundeskanzlerin sich von ihm abwendet? Egal. Dass NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Steuerbetrug für "ein schwerwiegendes Verbrechen zum Schaden der Allgemeinheit" hält? Was stört das einen Fußballgott!

Schlimm am Fall Hoeneß ist nicht nur, dass hier jemand gefehlt hat. Schlimm ist, dass der Betroffene daraus offenbar nichts lernt.


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