Eine Nation ist erwacht

Von Pelin Aytac

Mütter und Väter mit ihren Kindern, Studenten, Schüler, Rentner, Angestellte, Lehrer, Gläubige, Atheisten, Linke und Konservative stehen Seite an Seite... In ihren Taten und in ihrem Mut ist Atatürks Geist. Dieser Geist ist nicht in anbetender Weise da, sondern als gelebte Demokratie und in jenen Menschen, die allem zum Trotz weiterkämpfen.

Es muss wohl eben Recep Tayyip Erdogan sein – jener Größenwahnsinnige, der nun zu ihrer Prüfung geworden ist! Der türkische Ministerpräsident hat jeden Bezug zur Realität und jedes Maß verloren. Er versteht eines nicht: Die Menschen wollen mitreden und mitbestimmen – das ist ihr gutes Recht in einem demokratischen Staat. Doch Erdogan ist kein Demokrat mehr, wenn er es denn jemals war. Er beleidigt das Volk, er richtet den staatlichen Machtapparat gegen sie und bezeichnet sie als Terroristen.

Die Angst geht um in der Türkei. Meine Familie und meine Freunde in Istanbul sind in Sorge und fragen sich, wer ihn aufhalten soll. Das Volk wird ihn aufhalten, es scheint ein langer Kampf zu werden. Aber jeden Tag finden die Menschen neue und kreative Wege, um Erdogan zu zeigen, was sie von seiner Politik halten.

Die Ereignisse in der Türkei sind schrecklich, aber gleichzeitig geben sie viel Hoffnung. Ein Volk wird eins, ein Volk wacht auf und findet sich – eine Zivilgesellschaft, die ihre Rechte einfordert und verteidigt. Die Türken haben es geschafft, diesem machtbesoffenen und größenwahnsinnigen Menschen mit feiner Satire, Friedfertigkeit und einer noch nie da gewesenen Solidarität die Stirn zu bieten. Die Türkei ist erwacht und versetzt das Regime Erdogan in Angst und Panik.

Pelin Aytac aus Würzburg ist Redakteurin und volontierte von 2007 bis 2009 bei der Zeitungsgruppe Lahn-Dill. Sie wurde 1979 in Istanbul geboren.


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