Eine Nummer kleiner bitte

G7-Gipfel in Elmau

Von Regina Tauer

Seither hat sich viel auf dem Planeten geändert. Eine Finanzkrise globalen Ausmaßes, aus der bis heute nicht die nötigen Konsequenzen gezogen wurden, und die Eurokrise, die weiter auf ihre Lösung wartet, liegen dazwischen. Dazu kommen epochale Umwälzungen in der arabischen Welt, die in einem Meer der Gewalt mündeten. Und als wäre dies alles noch nicht genug, hat Putin mit der Annexion der Krim die europäische Nachkriegsordnung belastet. Bleibt noch zu erwähnen, dass es auch mit dem Klimaschutz nicht richtig vorangeht.

Gesprächsbedarf gibt es also mehr als genug beim zweiten Merkel-Gipfel. Die Zusammenkunft ist grundsätzlich sinnvoll, auch wenn die G7-Treffen, die immer noch unter dem Label "Gipfel der sieben wichtigsten Industrienationen" firmieren, etwas nostalgisch anmuten. Frankreich und Italien etwa haben derzeit größte Mühe mit der Dynamik der Weltwirtschaft Schritt zu halten.

Aber auch das schmälert die Wichtigkeit solcher Zusammenkünfte nicht. Nur, geht es nicht eine Nummer kleiner? Muss das nicht mal 48-Stunden-Treffen, bei dem ein wichtiges Thema die Armut ist, wirklich einen dreistelligen Millionenbetrag kosten? Bis zu 300 Millionen Euro, diese Summe ist nicht mehr vermittelbar. Und warum muss das Spektakel inmitten von Deutschlands artenreichster Region stattfinden? Werden Obama und Co. mehr für den Klimaschutz tun, wenn sie auf Schloss Elmau Nachtigall, Auerhahn und der ganzen Vogelschar lauschen? Wahrscheinlicher ist, dass sie die Vögel kaum hören werden, weil deren Zwitschern vom Lärm der Hubschrauber übertönt wird. Der Landeplatz, für den extra eine Bergwiese in eine Asphaltpiste verwandelt wurde, muss schließlich seine Rechtfertigung erhalten.

Lärmende Demonstranten werden hingegen weniger zu hören sein. Auch wenn es nicht gänzlich gelungen ist, die Gipfel-Gegner zu verbannen und für die Staatenlenker unsichtbar zu machen. Der Eindruck drängt sich auf: Die Natur, sie wird beim G7-Gipfel in doppelte Geiselhaft genommen. Die Bergidylle ist ein Trugbild.

Heiligendamm war ein spektakulärer und teuerer Gipfel - wie gesagt, Merkel gab damals ihren Einstand. Da lässt man sich nun mal nicht lumpen. Doch dieses Mal überzieht die schwäbische Hausfrau, mit der sich die Kanzlerin so gern vergleicht, ihr Budget ins Unanständige.

 


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