Eine schreckliche Abwägung

Von Michael Klein

Ein mörderisches Kalkül. Denn ginge die Taktik auf, müssten noch mehr Menschen sterben: Der IS könnte ungestört weitere Gebiete im Irak und in Syrien erobern und die Bevölkerung auch dort unterjochen oder ausrotten. Es gehört zum Auftrag der Medien, dass sie über die Morddrohungen und Tötungen der Terroristen berichten. Die Medien sollten sich aber zugleich der Gefahr bewusst sein, dass die Berichterstattung Teil der terroristischen Strategie ist. Dies sollte Art und Umfang der Berichterstattung bestimmen.

Deutschland hat bittere Erfahrungen mit dieser Terrortaktik. Am 5. September 1977 entführte die Rote Armee Fraktion (RAF) den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Am 18. Oktober 1977 wurde Schleyer ermordet. Die Bundesregierung unter Kanzler Helmut Schmidt hatte sich zuvor entschieden, der Forderung der Entführer nach Freilassung von Gesinnungsgenossen nicht nachzukommen. "Der Staat muss darauf mit aller Härte antworten", war von Anfang an die Position Schmidts zu der Entführung. Schleyers Witwe warf Schmidt später vor, er habe ihren Mann der Staatsräson geopfert. 2013, 36 Jahre nach Schleyers Ermordung, erhielt Helmut Schmidt den Hanns-Martin-Schleyer-Preis.

Ebenso wenig wie Helmut Schmidt 1977 geben heute Barack Obama, David Cameron oder François Hollande leichtfertig ein Menschenleben preis. Sie müssen ebenso wie Schmidt eine schreckliche Abwägung treffen. Und sie wird nicht anders ausfallen als beim deutschen Altkanzler.

Dass der IS überhaupt die westlichen Demokratien einschüchtern will, zeigt, wie sehr er sich vor ihrem Eingreifen in Syrien und im Irak fürchtet. Das macht Hoffnung, dass der IS am Ende verliert. Wie die RAF.

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