Eiskalte Mörder

Amokläufer und Terroristen

Von Michael Klein

Es gibt Millionen Menschen mit psychischen Erkrankungen manche wissen es nicht einmal. Eine psychische Erkrankung erhöht ebenso wenig das Risiko zum Mörder zu werden wie der Umstand, dass jemand Flüchtling ist. Weil Amokläufe und Terroranschläge jedoch besondere öffentliche Aufmerksamkeit auf sich lenken, entsteht bei vielen der gegenteilige Eindruck. Laut einer offiziellen Gerichtsstatistik aus Berlin landen gerade einmal 0,1 Prozent der verurteilten Straftäter in der Psychiatrie. Noch weit geringer ist der Prozentsatz von Terroristen unter den Flüchtlingen.

Die Masche der AfD

Dass im Zuge verstärkter Zuwanderung Gewaltdelikte zugenommen haben, ist dagegen durch die Kriminalstatistik belegt. Dies liegt vor allem an der hohen Zahl junger Männer, die ohne ihre Familie die gefährliche Flucht über das Mittelmeer angetreten haben. Junge Männer werden aber unabhängig von der Herkunft häufiger straffällig als Ältere. Fehlende Charakterstärke, oft einhergehend mit fehlenden familiären Bindungen, spielen dabei eine wichtige Rolle. Solche Menschen sind auch anfälliger für den Missbrauch von Religionen und für extremistische Parolen.

Das Phänomen gibt es allerdings nicht nur bei Intensivtätern aus den Maghreb-Staaten, sondern auch bei Deutschen. Die Zahl der Straftaten von Rechts- und Linksextremisten ebenfalls meist junge Männer hat den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht, wobei Neonazis mit 23 555 Delikten im Jahr 2016 die mit Abstand größte Tätergruppe waren. Die Straftaten des NSU, also von Deutschen an Ausländern begangene Morde, sind nur die Spitze des Eisbergs.

Wie dumm ist es, von den begangenen Straftaten auf alle psychisch Kranken, auf alle Flüchtlinge oder auf alle Deutschen zu schließen? Genau dies ist das Geschäftsmodell der AfD nur dass sie sich bei rechtsextremen Straftätern vor Verallgemeinerungen penibel hütet. Die Vizechefin der AfD-Bundestagsfraktion, Beatrix von Storch, schaffte es sogar, via Twitter die Bundeskanzlerin und indirekt die Flüchtlinge für die Amoktat von Münster verantwortlich zu machen. Nach dem Motto: Der Deutsche habe ja bloß ausländische Terroristen imitiert, deren Taten wiederum pauschal mit allen Flüchtlingen in Verbindung gebracht werden. Der Terror als Vorbild für Amoktäter?

Von Storch hat sich Tage später nun für ihren Tweet entschuldigt. Das aber ist die übliche AfD-Masche: Die Empörungswelle gegen Angela Merkel auf Twitter ist längst abgeebbt – aber Storch konnte tagelang prima auf ihr reiten. Das Fehlereingeständnis nehmen diejenigen, denen der Glaube an noch so absurde Gedankenkonstrukte heilig ist, gar nicht mehr wahr.

Dabei hätte von Storch wissen können, dass der erste Amoklauf mit einem Revolver auf deutschem Boden im Jahr 1871 stattfand begangen von einem deutschen Schüler. Dazu reicht eine kurze Eingabe bei Google. Auch die Geschichte der Amoktaten mit Fahrzeugen reicht Jahrzehnte zurück. Tatsächlich sind es also die Terroristen, die diese perfiden Mordmethoden kopiert haben.

Es sind die Täter, die eiskalten Mörder, und nur sie, die alle diese Taten begehen. Es sind nicht ihre Verwandten, Bekannten oder gar die Länder, deren Staatsangehörigkeit sie besitzen. Das wissen die Scharfmacher und Aufwiegler nur zu gut. Sie könnten härtere Strafen gegen Gewalttäter in den Mittelpunkt ihrer Argumentation stellen. Die würden tatsächlich wirken und hätten wie im Fall Amri höchstwahrscheinlich manche Tat verhindert. Ein Rückgang der Gewaltkriminalität ist allerdings das, was die geistigen Brandstifter am wenigsten brauchen können.


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