Es werden Spuren bleiben

Trumps Spiel mit dem Feuer
Von Michael Klein

Ja, es könnte wieder so kommen, dass markigen Worten bei diesem Präsidenten keine Taten folgen. Und sei es, weil nicht mal ein US-General Spaß an einem Atomkrieg mit Nordkorea hätte, den Trump offen angekündigt hat. Oder weil Gegengewichte und Kontrollmechanismen in Washington greifen – wie so oft in den vergangenen Monaten. Aber: Eine Garantie, dass aus Trumps Spiel mit dem Feuer kein Inferno wird, gibt es nicht.

Denn auch Trump dürfte klar sein, dass er an seinen Taten gemessen wird. Und dass Anhänger es als Zeichen von Schwäche werten werden, wenn er seine Kurzmitteilungen auf Twitter nicht auch mal wahr macht.

Anzeige

Kriege entstehen nicht, weil sie lange und minutiös geplant werden. Sie entstehen zum Beispiel, wenn zwei Hitzköpfe sich in Rage reden und einer gar nicht mehr anders kann, als den berühmten Knopf zu drücken. Mag sein, dass Untergebene unter Einsatz ihres Lebens versuchen werden, eine solche tragische Entwicklung aufzuhalten. Aber sicher ist keineswegs, dass sie das tun würden und ob es ihnen überhaupt gelänge.

Mit Glück wird die Welt die von Trump und seinem nordkoreanischen Widersacher inszenierte Krise wohl glimpflich überstehen. Aber Spuren werden bleiben. Auf jeden Fall die, dass Trump Kim Jong Un hilft, seine Drohkulisse gegenüber den USA aufrechtzuerhalten. Das festigt dessen Macht und kaschiert innenpolitische Missstände in Nordkorea. Schon aus diesem Grund war kein anderer US-Präsident zuvor so dumm, sich zur offenen Androhung eines Atomkriegs gegen Nordkorea hinreißen zu lassen. Zudem wird Trump, der doch mehr Innen- als Außenpolitik machen wollte, immer mehr zum Risikofaktor für Unbeteiligte. Denn die Wirkung von Atombomben endet nicht an Staatsgrenzen.

Zu verantworten haben dies die Republikaner, Trumps Partei. Ohne sie wäre selbst der mächtigste Mann der Welt machtlos. Aber die meisten in der Partei fürchten so sehr den Verlust der Macht, dass sie Trump eher zähneknirschend folgen als eine offene Fehde zu riskieren. Sie vergessen dabei allerdings: Je größer das Desaster, das Trump eines Tages hinterlässt, desto schärfer wird die Abstrafung derer ausfallen, die ihn still gewähren ließen.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2017
Kommentare (0)
Mehr aus Standpunkte Hessen und Welt