Es wird knapp

VON MICHAEL KLEIN

Eine Koalition dieser drei Parteien erscheint im Bund zwar ausgeschlossen, aber was wäre, wenn es am Ende umgekehrt stände: Rot-Rot-Grün hätte 45 Prozent und Schwarz-Gelb nur 44 Prozent? Ein solches Ergebnis ist alles andere als undenkbar, denn Umfragen sind Umfragen, das heißt, ihre Fehlertoleranz liegt bei einigen Prozent.

Das gilt besonders für die kleinen Parteien: Wer will heute sicher sagen, dass die lange Zeit dahin dümpelnde FDP wirklich wieder in den Bundestag einziehen wird? Oder dass die Euro-kritische Alternative für Deutschland (AfD) ganz sicher draußen bleibt? Zumal diese Partei gerade die Unentschlossenen noch an die Wahlurnen locken könnte - und Euro-Kritiker gibt es in der Bevölkerung nicht wenige.

Eine rot-rot-grüne Koalition dürfte der Republik bei einer rechnerischen linken Mehrheit aber nicht drohen, zumal ein solches Bündnis gerade erst in Nordrhein-Westfalen krachend gescheitert ist. Im Bund wäre eine Regierung von SPD, Linken und Grünen angesichts der weitreichenden Forderungen der Linken in der Außenpolitik erst recht zum Scheitern verurteilt.

Die wahrscheinlichere Alternative zu Schwarz-Gelb ist eine große Koalition aus Union und SPD, in der die Sozialdemokraten wie schon 2005 der Junior-Partner wären. SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück hat zwar ausgeschlossen, dass er dafür zur Verfügung steht, das gilt aber nicht für Parteichef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier.

Die Wahl am Sonntag in einer Woche ist nach heutigem Stand also nicht die zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Grün, sondern zwischen Schwarz-Gelb und Schwarz-Rot - egal ob die AfD den Sprung ins Parlament schafft oder nicht. Nur ohne die FDP wäre es ganz sicher Schwarz-Rot.


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