Friedensbotschaft der Muslime

Spott für Terrorchef
Von Michael Klein

"Krieg" lieber im Kino

"Scheinheilig" ist die schwächste Klassifizierung dieses abartigen Missbrauchs einer ganzen Religion, der lediglich auf die Vergrößerung der eigenen Machtbasis zielt. Denn die schwindet zusehends - und so tauchte zu Weihnachten eine Audiobotschaft des IS-Anführers Abu Bakr al-Bagdadi auf: 24 Minuten Drohungen und Propaganda am Stück. Wenn er es überhaupt selbst ist, dann sagt der selbsternannte "Kalif" der Terrormiliz in Richtung Israel: "Wir haben Palästina keine Sekunde lang vergessen. Bald, mit Gottes Erlaubnis, werdet ihr die bebenden Schritte der Mudschaheddin (heiligen Krieger) hören." Palästina werde zum Friedhof der Juden werden. Und al-Bagdadi bekräftigt seinen Aufruf an alle Muslime, sich am "Dschihad" zu beteiligen, um den "Krieg der Ungläubigen" gegen den Islam zu stoppen. Auch seine Drohungen an Europa und die USA erneuert der IS-Chef, der zurzeit militärisch mit dem Rücken zur Wand steht.

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Was die Muslime angeht, hat sich der Oberterrorist gründlich verkalkuliert. Auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken im Internet verspotteten vor allem Muslime Bagdadi. Dessen Plan, sie und Andersgläubige gegeneinander aufzuhetzen, ging so ins Leere. Denn davon lebt der IS: dass möglichst viele Menschen seiner Ideologie des Krieges zwischen den Religionen auf den Leim gehen. In Wahrheit, das zeigt die überwältigende Gegenreaktion der Muslime im Netz, ist es nur ein kleines Häuflein kranker Seelen, die einen echten Krieg demjenigen im Kino vorziehen.

Für die meisten Muslime auf der Welt - auch in Deutschland - gibt es Wichtigeres als sinnlos Menschen zu töten. Einer schreibt, dass er ja helfen würde beim "Dschihad", aber leider zur Arbeit müsse. Und ein anderer fragt sich, wo der ganze Hass der Terroristen eigentlich herkommt? Seine Antwort: "Ich glaube, da haben sich einige über ihre Weihnachtsgeschenke geärgert."

Dass die Terroristen derart feinen Humor verstehen, ist ebenso auszuschließen wie die Annahme, dass sie überhaupt etwas verstehen. Viel wichtiger ist ohnehin, dass alle Menschen mit friedlichen Absichten die weltweite Botschaft der Muslime am Ende eines bewegten Jahres verstehen: Im Kampf gegen Terroristen und andere Extremisten sitzen wir alle im selben Boot.


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