Führungsrolle der USA ist eine Chance

Von Mika Beuster

Aus Europa kommen zur Klimakonferenz der UN - die den entscheidenden Gipfel im nächsten Jahr in Paris vorbereiten soll - immerhin erstaunliche Zielvorgaben. EU-Kommissionschef José Manuel Barroso kündigt vollmundig an, dass die Länder der EU bis 2030 40 Prozent ihrer Treibhausgasemissionen und 30 Prozent ihres Energieaufwands einsparen würden. Bis 2050 sollen sogar bis zu 95 Prozent der Emissionen eingespart werden. Allein - wie er das erreichen will, bleibt er den hochrangigen Zuhörern am New Yorker East River schuldig.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) - die sich bislang gerne im Glanz des von einigen Medien verliehenen inoffiziellen Titels "Klimakanzlerin" sonnte - ist gar nicht erst zum Spektakel rund um den Klimawandel angereist. Die starke Frau Europas fehlt, was Europas Ankündigung wenig glaubwürdig macht. Deutschland, Frankreich, die EU - sie scheinen derzeit andere Probleme zu haben als das Weltklima. Alleine einen neuen Komissionspräsidenten zu finden war in den vergangenen Monaten schon klimaschädlich genug, wenn man die Dauerpendelei von Staats- und Regierungschefs mit Jets von den europäischen Hauptstädten nach Brüssel berücksichtigt.

Kaum sind die Europäer - und allen voran die sich gerne als strahlendes Klima-Vorbild präsentierenden Deutschen - als Hauptdarsteller aus den Verhandlungen um ein internationales Klimaabkommen abgetreten, schleicht sich nun der US-Präsident in die erste Reihe. Barack Obama will dabei die Schwäche in seiner Politik zur Stärke internationaler Ebene machen.

Man nimmt dem Präsidenten ab, dass ihm eine strengere Klimapolitik am Herzen liegt. Allerdings fehlt ihm innenpolitisch der Rückhalt für eine gesetzliche Regelung. Diese Schwäche bekämpft er, in dem er als Präsident durch exekutive Befugnisse immer mehr Einzelfälle in den Bundesstaaten regelt - am Parlament vorbei. Es ist nicht die große Vision, sondern viel mehr ein Gewirr an Klein-Klein. Aber Stück für Stück werden die USA ein wenig grüner.

Diese Strategie - viele individuelle Einzelschritte statt einer verbindlichen Gesamtlösung für alle - könnte auch auf internationaler Ebene zielführend sein. Was nutzt ein ambitioniertes internationales Abkommen, das von den wichtigsten Nationen nicht ratifiziert wird.

Weniger ist manchmal mehr

Außerdem: Die viel zu hoch gesteckten Ziele aus Europa schrecken vor allem die Schwellenländer ab. Die USA können hier vermitteln. Mit Pragmatismus und erreichbaren Zahlen, einer Idee wie klimaschädliche Gase reduziert werden können ohne das Wachstum in Indien oder China abzuwürgen.

Es ist paradox, aber wahr: Weniger ist manchmal mehr - nicht nur bei Klimagasen, sondern auch wenn es um Ziele zu deren Verringerung geht. Oder anders herum: Vielleicht ist es besser, die hohen Erwartungen runterzuschrauben und die Augen auf das Machbare zu richten. Obama macht es vor: Auch in der Klimapolitik ist der Spatz in der Hand besser als die Taube auf dem Dach. Immerhin solange es trotz Klimawandels diese Artenvielfalt noch gibt.


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