Gefährliches Spiel mit dem Feuer

VON VERENA NAPIONTEK

Eigentlich sollten beide Seiten in der Tat kein Interesse an einem militärischen Konflikt haben. Südkorea ist um seine Sicherheit bedacht. Nordkorea ist sich bewusst, dass es einen Krieg gegen Südkorea und die Vereinigten Staaten nicht überstehen würde. Doch solange aus der Kriegsrhetorik, die Kim Jong Un - wie schon sein Vater zuvor - übt, eines Tages bitterer Ernst werden könnte, sollte die Weltgemeinschaft vorbereitet sein.

Obwohl Millionen Menschen in Nordkorea vom Hungertod bedroht sind, leistet sich das Regime einen der zahlenmäßig größten Militärapparate der Welt. Das letzte stalinistische System der Erde besitzt wahrscheinlich Atomwaffen und unterhält etwa 1,2 Millionen Soldaten.

Dem Gewaltherrscher mit dem drallen Gesicht, der im Gegensatz zu seinen Untertanen offensichtlich ausreichend zu essen hat, fehlt aber vor allem eines: ein Propaganda-Erfolg. Nordkorea möchte nicht als die isolierte Nation dastehen, die sie ist. Daher sucht Pjöngjang seit jeher nach Mitteln, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Wenn schon isolierte Nation, dann mindestens eine machtvolle, vor deren Drohmitteln die Welt erzittern soll. Hauptadressat der nordkoreanischen Provokationen ist deshalb neben dem Brudervolk im Süden vor allem die verhasste Großmacht USA. Indem der junge Kim beweist, dass er Südkorea und den USA Paroli bietet, kann er im Inland punkten.

Aber gerade aus der Tatsache, dass Nordkorea wirtschaftlich stark isoliert ist und wenig Außenbeziehungen hat, ergibt sich ein Hauptproblem des jetzigen Konfliktes. Die Möglichkeiten, durch Sanktionen einzuwirken, sind stark begrenzt. Nun kommt es entscheidend darauf an, inwieweit China, das bisher zurückhaltend agierte, sich an Sanktionen beteiligt.

Die einzige Lösung kann es sein, dass Peking sich dazu durchringt, einen härteren Kurs gegenüber den Verbündeten in Pjöngjang zu fahren. Gestern hat China zum Dialog aufgerufen. Aber das ist zu wenig.

Wenn China als eine Ordnungsmacht in der asiatisch-pazifischen Region wahrgenommen werden möchte, dann muss es jetzt eingreifen beziehungsweise Einhalt gebieten. Einen unberechenbaren und unerprobten Machthaber wie Kim Jong Un darf niemand mit dem Feuer spielen lassen - vor allem dann nicht, wenn er eine Atombombe zünden könnte.

n Politik S. 2


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