Gefahr für die Demokratie

Facebook & Co.
Von Michael Klein

Als vor gut einem Jahr in München ein Amokläufer die Republik für einen Abend in Atem hielt, gab es Menschen, denen der Schrecken nicht reichte. Sie verbreiteten in den sogenannten sozialen Netzwerken gefälschte Fotos von angeblichen weiteren Tatorten, um die Terrorangst der Menschen noch zu schüren. Wer leichtgläubig war, twitterte diese „Nachrichten“ ungeprüft weiter und so verbreiteten sie sich millionenfach. Dabei hätten die Menschen einfach nur seriösen Medien vertrauen müssen, um die wirklichen Fakten zu erfahren.

Wenige Monate später vertrauten Millionen Amerikaner einem Mann, dessen Hauptkommunikationsmittel das Netzwerk Twitter ist. Sie glaubten ihm, dass er nur das Beste für sie wolle; Medien, die das kritisch hinterfragten, ignorierten sie. Heute wundern sie sich, dass Donald Trump ihnen die Krankenversicherung wegnehmen will.

Nicht ohne Grund sind es in erster Linie radikale politische Strömungen, die auf Twitter, Facebook & Co. setzen und – wie Trump – die etablierten Medien als „Fake News Media“ bezeichnen. Oder wie die AfD als „Lügenpresse“. Sie wollen, das sagen sie auch offen, die Menschen „direkt“ erreichen. Eine kompetente journalistische Einordnung würde da nur stören. Denn AfD & Co. wissen: Leichtgläubige, also Menschen mit geringer Bildung und fehlender Medienkompetenz, gibt es zuhauf. Denen reden sie einfach nach dem Mund das bringt Wählerstimmen.

Die Gefahr ist groß, dass weite Teile der Bevölkerung mit falschen oder halbwahren Häppchen in den Netzwerken manipuliert werden. Das ist durchaus eine Gefahr für die Demokratie. Menschen aus bildungsfernen Schichten merken nicht einmal, wenn sie in ihrem Netzwerk mit programmierten Robotern, sogenannten Social Bots, reden. Mit deren Hilfe könnte Russland das Wahlergebnis in den USA beeinflusst haben. Denn als Großmacht hat das Riesenreich ein natürliches Interesse daran, die andere Großmacht zu schwächen. Wie besser als mit einem inkompetenten Präsidenten?

Fest steht: Die US-Wahl wurde mit gefälschten Nachrichten und Social Bots beeinflusst. Ebenso wie der Brexit. Denkt man an den äußerst knappen Ausgang beider Abstimmungen, wird klar, dass Facebook & Co. den Ausschlag gegeben haben dürften. Und auch für die Bundestagswahl befürchten Fachleute Desinformationskampagnen auf Facebook und Twitter sowie den massenhaften Einsatz der Software-Roboter.

Neben die ursprüngliche Idee der Netzwerke, dass alle mitreden können und damit mehr Demokratie entsteht, ist also die Manipulation großer Teile der Netzgemeinde getreten. Manipulation von Massen gab es zwar schon immer in der Geschichte politischer Herrschaft, aber nie war sie so leicht zu praktizieren wie heute. Das einzige Gegenmittel ist eine Medienkompetenz, die den Wert des Journalismus erkennt. Und die bereits in der Schule vermittelt wird.


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