Gerecht ist nur das Zentralabitur

Von Iris Baar

Warum muss ein Schüler in Bayern mehr lernen, um das Abitur zu bekommen, als einer in Hamburg? Warum wird die gleiche Leistung eines Schülers in Bayern schlechter bewertet als die eines Schülers in Bremen oder Hamburg? Weil im Bildungsland Bayern andere Ansprüche, andere Bildungsmaßstäbe gelten. Darum macht in Bayern auch nur jeder vierte Schüler Abitur, in Hamburg jeder zweite.

Darum bleiben in Bayern auch mehr Kinder sitzen als im Rest des Landes. Gilt ein Numerus Clausus für ein Wunschstudienfach, ist er in Norddeutschland eher zu schaffen als im Süden unseres Landes.

Dass die Kultusminister der Länder nun einheitliche Abiturstandards beschlossen haben, ist eine nette Sache, ändern wird das an der deutschen Bildungsungerechtigkeit nichts.

Denn die Abiturstandards regeln lediglich, was ein Abiturient am Ende der gymnasialen Oberstufe können sollte. Mehr nicht. Aus einem Aufgabenpool können sich die Bundesländer für ihre Abiturfragen bedienen. Können, wohlgemerkt, nicht müssen!

Und damit bleibt alles beim Alten: 16 Länder, 16 Schulsysteme, 16 verschiedene Reifeprüfungen von unterschiedlichem Wert für den weiteren Lebensweg.

Beenden kann diese Ungerechtigkeit nur ein zentrales Abitur. Dafür müssen die Schüler aller Bundesländer auf ein einheitliches Lernniveau gebracht werden, geprüft wird dann deutschlandweit in allen Bundesländern an den gleichen Tagen mit den gleichen Fragen. Und korrigiert wird natürlich auch zentral - damit gar nicht erst der Verdacht hochkommt, ein Lehrer in Bayern könnte den Rotstift strenger an die Texte und Lösungswege ansetzen, als ein Lehrer in Hamburg oder Bremen.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2012
Kommentare (0)
Mehr aus Standpunkte Hessen und Welt