Gewinn für die Demokratie

Facebook & Co.

Von Markus Engelhardt

Wäre er noch am Leben, der Autor des dystopischen Romans „1984“ würde zu diesem Satz stehen. Auch und vor allem, weil einiges aus seinem Werk inzwischen Realität geworden ist.

Wir breiten unser Leben in sozialen Netzwerken aus, teilen es mit Bekannten und Verwandten. Das lassen wir uns etwas kosten, nämlich persönliche Daten, die wir an völlig Fremde im Hintergrund weitergeben. Im Gegenzug dafür bekommen wir aber immerhin die Möglichkeit, uns über Staatsgrenzen hinweg auszutauschen, in Sekundenschnelle tausende Kilometer zu überwinden und mit jenen in Kontakt zu bleiben, die nicht in Sichtweite sind.

Letztlich sind Facebook, Twitter, WhatsApp und Konsorten nichts anderes als die flotteren Erben des guten alten Briefs und des etwas jüngeren Telefons. Mit den skizzierten Nachteilen, die man sich bewusst machen muss – aber auch mit nahezu unschlagbaren Vorteilen. Nicht umsonst gehört zu den wichtigsten Schritten angehender Diktatoren neben der Abschaffung einer freien Presse die Schließung der sozialen Medien. In China ist Facebook verboten. Der arabische Frühling – weitgehend über Netzwerke organisiert – brachte unter anderem mit sich, dass Ägypten das Internet für einige Tage abschalten ließ. Und was macht das Netz so gefährlich für die Gegner der Demokratie? Ganz einfach: Es gibt jedem von uns die Möglichkeit, mit leicht bedienbaren Mitteln für deren Erhalt zu kämpfen.

Ein aktuelles Beispiel: Die so positive wie engagierte Bewegung „Pulse of Europe“ brachte ihre erste Kundgebung im vergangenen Jahr mit Hilfe von Twitter und Facebook auf den Weg. Die sozialen Medien (die nicht ohne Grund so genannt werden) sorgen nun dafür, dass die Teilnehmerzahl steigt.

Natürlich sind Facebook oder Twitter scharfe Klingen, die jeder ziehen kann. Selbstverständlich tummeln sich dort nicht nur die Bewahrer von Demokratie und Vielfalt, sondern auch die Anhänger extremer Weltbilder. Das ist sogar legitim, denn Meinungsfreiheit gilt für jeden – auch wenn an dieser Stelle rasch nach Kontrolle und Überwachung gerufen wird. Auch wenn tatsächlich zwingend geltende Gesetze umgesetzt werden müssen. Und auch wenn andere Ansichten uns vielleicht zu Recht nicht gefallen.

In den richtigen Händen bieten die sozialen Medien die Chance, wichtige Informationen zu verbreiten, darunter die wichtigste überhaupt: die Wahrheit. Das unterstützt die Demokratie, bewahrt ihre Werte und macht es möglich, den „alternativen Fakten“ etwas entgegenzusetzen.

Dadurch lässt sich verhindern, dass irgendwann wirklich jemand glaubt, was die Diktatoren in Orwells „1984“ proklamieren: „Unwissenheit ist Stärke.“ Denn das Gegenteil ist mehr denn je der Fall: Wissen ist Macht.


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