Große Chance

Union und Grüne
Von Michael Klein

Das wäre vor kurzem noch undenkbar gewesen: die CDU als Juniorpartner in einer Regierung mit den Grünen. Schon Hessens schwarz-grüne Landesregierung war etwas Neues in den deutschen Flächenländern. Dass dies an Main und Lahn geräuschlos klappt, zeigt: Von einer gemeinsamen Regierung profitieren Union und Grüne gleichermaßen.

Was Wähler dagegen nicht mögen: wenn Regierungspartner sich streiten wie die Kesselflicker - so wie SPD und Grüne bis 2005 im Bund. Damals mussten die Grünen manche Position räumen - plötzlich waren die Pazifisten Kriegspartei. Auch dass sich die Union später in Sachen Umweltschutz auf die Grünen zubewegte, zeigt: Die SPD ist nicht deren natürlicher Partner. Es war eine CDU-Kanzlerin, die - unter dem Eindruck der Katastrophe von Fukushima - beim Atomausstieg noch weiter ging als die Grünen.

Die Öko-Partei hat mit der Union nicht weniger Übereinstimmungen als mit der SPD. Schon das ist ein guter Grund für mehr Offenheit in der Koalitionsfrage. Zudem war Ex-Außenminister Joschka Fischer bereits 2005 klar, dass es nie wieder für Rot-Grün reichen würde - nur dem linken Flügel der Grünen nicht.

Der ist das Hauptproblem bei der Annäherung an die Union. Die Linken legen mehr Wert auf Verbote, Vorschriften und soziale Umverteilung als auf die Integration des Umweltschutzes in die soziale Marktwirtschaft. Im Naturschutz liegt allerdings die Hauptwurzel der Grünen, während der Union die Bewahrung der Schöpfung seit jeher ein Anliegen ist. Gemeint ist dasselbe. Und auch beim großen Thema der vergangenen Monate, dem Schutz Verfolgter, gibt es mehr Übereinstimmung als Trennendes zwischen den beiden Parteien.

Schwarz-Grün im Bund wäre also eine große Chance für die Grünen - und für die CDU. 2017 vielleicht die einzige, die in eine stabile Regierung führt.

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