Hauptsache radikal

Von Michael Klein

"Rassistisch und fremdenfeindlich" - das sind ganz sicher die rechtsradikalen Koalitionsfreunde des linken Kampfgenossen Alexis Tsipras in Griechenland. Die aber sind für die deutsche Linkspartei hui. "Offenbar gibt es keinen anderen Partner, mit dem Syriza ihre Kernforderungen hätten umsetzen können", findet die Vizechefin der Linksfraktion, Sahra Wagenknecht. Und Riexinger ergänzt: "Es schmälert die Freude über den historischen Sieg und die Chance auf ein Ende der Sparpolitik nicht." Dass Linke und Rechte in Athen vor allem ihr Feindbild Deutschland und Europa eint, erwähnt Riexinger nicht.

Die Linkspartei ist eng mit dem von Tsipras angeführten Bündnis Syriza verbunden. Und unter Freunden gelten andere Maßstäbe. Für die deutsche Linke gibt es dann eben gute und schlechte Rechtspopulisten. Wobei die Pegida-Anhänger nicht einmal unisono in diese Kategorie passen, die griechischen Rechtsextremisten schon.

Die gespaltene Zunge, mit der die deutsche Linke spricht, entlarvt ihre geistige Grundhaltung. Und es ist eine Lehrstunde über den politischen Extremismus. Dass Linksextremisten und Rechtsextremisten meilenweit voneinander entfernt sind, wie sie vorgeben, stimmt eben nicht. Was sie eint, sind die Radikalität, die Kompromisslosigkeit im politischen Prozess und ein nicht immer klares Verhältnis zur Gewalt. Da wird gerne mal der Kriegsherr Putin verherrlicht und zugleich ein westlicher Militäreinsatz zur Verhinderung einer humanitären Katastrophe verteufelt. Weil der Westen ja in diesem Weltbild von Grund auf böse ist, Amerika sowieso - also die freie, demokratische Gesellschaft, die sich den Ideologien von links und rechts leichter entzieht.

Da wundert es nicht, dass jener Putin aus Linken-Kreisen dieselbe Bewunderung erfährt wie aus den Reihen der AfD. Und wie wunderbar passt in dieses Bild, dass auch der rechtsradikale Koalitionspartner der griechischen Linksradikalen eine strategische Partnerschaft mit Russland befürwortet.

Überraschend ist es also nicht, dass die deutsche Linke mit der griechischen Rechten kein Problem hat. Hauptsache radikal, heißt das Motto. Ganz einfach.

- Politik S. 2, Artikel auf dieser Seite


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