Hochgradig unwirtschaftlich

Sachgrundlose Befristungen

Von Frank Rademacher

Die millionenfache Befristung von Jobs verschafft den Arbeitgebern die von ihnen proklamierte Flexibilität, um etwa auf Produktionsschwankungen reagieren zu können. Zugleich nimmt es dem befristet beschäftigten 28-Jährigen die nötige Sicherheit, eine Familie zu gründen. Es macht ihm das Anmieten einer Wohnung etwa in München oder Frankfurt nahezu unmöglich. An den Bau eines Hauses braucht er gar keinen Gedanken zu verschwenden und auch der Kauf eines Neuwagens wird bestenfalls mit einem solventen Bürgen gelingen.

Für die Wirtschaft wirkt die millionenfache Befristung wie eine Konjunkturbremse, weil es zwangsläufig die Investitionen der betroffenen Belegschaft einschränkt. In Zeiten der Hochkonjunktur fällt das nicht besonders stark ins Gewicht. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels aber wird es höchste Zeit, dass auf Unternehmerseite ein Umdenken einsetzt. Identifikation mit dem Unternehmen schafft man nicht mit Befristung.

Für jede Arbeitsstelle gibt es eine Probezeit, bei einem starken Produktionseinbruch die fristgerechte Kündigung – kein Arbeitnehmer wird also gleich für Jahrzehnte eingestellt. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist er ohnehin das schwächste Glied in der Kette.

Die massenhafte Befristung etwa bei den Lehrern in Hessen oder großen Unternehmen wie der Post offenbart ganz andere Gründe: Solche Arbeitsverhältnisse sind für das Land und die Unternehmen billiger und schaffen Angestellte, die kaum etwas ablehnen, weil sie permanent zwischen Angst vor dem Jobverlust und der Hoffnung auf ein Ende der Befristung leben.

Gibt es hingegen für die Befristung einer Arbeitsstelle einen sachlichen Grund – etwa eine Schwangerschaftsvertretung – ist gegen die zeitliche Beschränkung nichts einzuwenden.


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