Höchststrafe ist folgerichtig

Plädoyer der Anklage

Von Regina Tauer

Nach dem Freitod von Mundlos und Böhnhardt im November 2011 reklamierte Zschäpe mit der Verbreitung des perfiden Bekennervideos die Urheberschaft des Nationalsozialistischen Untergrunds für die beispiellose Mordserie. Eine konsequente Aktion der glühenden Rechtsextremistin, die die heute 42-Jährige schon in den 1990er Jahren war.

Noch ist das Urteil des Oberlandesgerichts München nicht gesprochen. Es wäre jedoch eine Überraschung, wenn das Gericht am Ende zu einer anderen Sicht gelangen würde. Und Zschäpe, die das „traute Heim“ des Trios ansteckte, um Beweise zu vernichten, am Ende gar nur wegen gefährlicher Brandstiftung verurteilt würde.

Doch ist mit dem vier Jahre dauernden Prozess nicht alles abgeschlossen, darf kein Haken hinter eine lange Akte gesetzt werden. Nach dem Urteilsspruch wird sich die Aufmerksamkeit weiter darauf richten müssen, warum die Mörder über viele Jahre hinweg ungehindert töten konnten. Mehrere Untersuchungsausschüsse im Bundestag und in den Ländern haben längst nicht alle Fragen befriedigend beantwortet. Auch der Prozess blieb Antworten schuldig auch wenn die Ankläger überzeugt sind, dass das rechtsextreme Netzwerk nicht über die im Prozess genannten Namen hinausreichte.

Die Plädoyers der Nebenklage werden vermutlich die Finger noch einmal auf diese wunden Punkte legen. Ihre Vertreter haben wiederholt versucht, zusätzliche Aspekte etwa die Umstände des Todes der jungen Polizistin Michèle Kiesewetter im Prozess noch schärfer zu betrachten und weiteren Hinweisen nachzugehen. Ohne Erfolg.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Ablehnung des Gerichts, auf diesem Weg möglicherweise noch mehr Licht in die ungeheuerlichen Vorgänge rund um die Mordserie des NSU zu bringen, nicht eines Tages als Versäumnis herausstellt. Es wäre ein neuerliches Versagen bei der Abwehr des Rechtsextremismus in unserer Gesellschaft.


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Kommentare (1)
Wo bleiben denn all die Kommentatoren, die bei Straftaten die Kommentare mit "tragische Einzelfälle" schreiben? Ach so, die Täterin ist ja keine Ausländerin, sondern nur eine deutsche Rechtsterroristin...
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