Hoffnung auf eine göttliche Fügung

Von Mika Beuster

Nun ist der Papst zwar nur der Stellvertreter Gottes auf Erden. Aber im Fall des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst wird vom Pontifex nicht weniger erwartet, als dass er der antiken Gottheit gleich auf der Limburger Bühne erscheint und dort alle Konflikte beendet, deren Lösung den Gläubigen bislang nicht gelungen ist.

Am Mittwoch legt nun wohl eine Untersuchungskommission ihren Abschlussbericht zur Causa Tebartz-van Elst vor. Der Inhalt wird das Drehbuch für das folgende Drama sein. Denn aufgrund dieser Akte wird Papst Franziskus entscheiden müssen, wie er mit dem in seinem Bistum in Ungnade gefallenen Bischof verfährt. Verschwendungssucht wird ihm vorgeworfen, der Titel "Protz-Bischof" haftet an dem Geistlichen, und jüngst auch noch der Vorwurf, er habe Gelder einer sozialen Stiftung umgeleitet zur Finanzierung seines von Kritikern als "Prunkbau" bezeichneten Amtssitzes. Die Frage ist nur noch, wie stark die Kommission den Bischof belastet. Gibt es eine strafrechtliche Dimension? Muss sich der Gottesmann nach dem Verfahren wegen einer falschen eidesstattlichen Versicherung erneut einem weltlichen Gericht stellen, diesmal wegen der verworrenen Geldflüsse beim Bau? Oder bleibt es dabei, dass der Bischof zwar kirchenrechtlich richtig gehandelt hat, aber dabei selbstherrlich durch seine Entscheidungen die Kontrolle beim Bau an sich gerissen hat und so die Kosten auf überirdische Dimensionen hat anwachsen lassen?

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Es ist eigentlich egal. Denn anscheinend träumt der Bischof auch im Exil noch davon, eine zweite Chance in dem Bistum zu erhalten, dass er zu seiner Amtseinführung - Zitat - "in Besitz" genommen hatte. Doch wie soll das funktionieren? Der Bischof mag gerade in konservativen Kreisen noch den einen oder anderen Unterstützer auf seiner Seite wissen. Aber das Gros der Gläubigen sieht keine Zukunft für den Bischof in Limburg. Viel mehr Schäfchen als üblich kehren gleich ganz der Kirche den Rücke und treten aus. Tebartz-van Elst spaltet mehr, als dass er vereint. Seine Rückkehr in die Domstadt an der Lahn würde die alten Konflikte alle wieder aufreißen. Seine Versuche, um Verständnis zu werben, haben die meisten Gläubigen nur noch ratloser zurückgelassen.

Die Rückkehr als Katastrophe

Wie sieht nun die Lösung aus, die alle vom Papst erwarten und die dabei allen Seiten gerecht wird? Die Gnade gegenüber dem gefallenen Geistlichen walten lässt und dem Bistum wieder Hoffnung gibt? Eben weil Normalsterblichen in solchen Fällen kaum der Weg zu einer Lösung einfällt, haben die antiken Griechen die Gottesmaschine erfunden. Vielleicht hat der Papst ja bei seiner Entscheidungsfindung Zugang zu göttlichem Beistand. Die Griechen übrigens wussten Bescheid, wie solche Geschichten wie die in Limburg enden: Je mehr der Held sein Scheitern zu verhindern versucht, um so mehr wirkt er daran mit, die unausweichliche Katastrophe herbeizuführen. Die wäre im Falle Tebartz-van Elsts für die meisten Menschen im Bistum Limburg seine Rückkehr.


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