Im Zweifel für den Lebkuchen

Von Mika Beuster

Nun gibt es in Deutschland keinen akuten Mangel an Rechtsvorschriften. Auch selten vorkommende Sachverhalte wie die Verfolgung eines Bienenschwarms sind vom Gesetzgeber (in Paragraf 962 im Bürgerlichen Gesetzbuch) ausführlich geregelt. Freilich fehlt eine Lebkuchen-Verordnung für Supermarktregale. Und das ist gut so.

Die antiken Römer kannten eine Regelung, die Sklaven Freiheit gewährte, falls dies testamentarisch nicht eindeutig geregelt war. "In dubio pro libertate" - also im Zweifel für die Freiheit.

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Im Laufe der Jahre und Jahrhunderte wurde daraus ein guter Rechtsgrundsatz: Im Zweifel soll jeder seine Rechte frei ausleben dürfen und nicht von einem Gesetz daran gehindert werden. Das Recht auf Lebkuchen (es dürfte wohl unter Grundgesetzartikel 2, die allgemeine Handlungsfreiheit fallen, auch im September Lebkuchen zu verzehren) sollte also nicht durch ein Gesetz vereitelt werden. Zumal: Wer immer sich durch vorweihnachtliches Gebäck gestört fühlt, wird ja keinesfalls gezwungen, es anzuschauen oder gar zu essen.

Anstatt sich belästigt zu fühlen und ein Gesetz zu fordern, wäre dieser Anlass vielmehr eine Gelegenheit, schon jetzt nach leckeren Weihnachtsgebäck-Rezepten Ausschau zu halten und dann komplett um jene Supermarkt-Regale einen Bogen zu machen. Aber bitte: Kein Gesetz! Im Zweifel für den Lebkuchen.

Ist diese Debatte überhaupt relevant? Nun: Es haben sich sogar Spitzenpolitiker eingeschaltet. Und entdecken Positives in der Diskussion über Zimt und Sterne: Der aus Hessen stammende CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte am Montag: "Solange wir über Stichtage für den Verkauf von Lebkuchen oder Anti-Stress-Verordnungen reden, muss es dem Land verdammt gut gehen."


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