Keine Belohnung für Schrottwaffen

Von Regina Tauer

Im Verteidigungsministerium ist man da etwas nachsichtiger. Das Sturmgewehr G36, welches unter Extremanforderungen laut Gutachten eine Treffsicherheit von läppischen 7 Prozent aufweist, soll zwar ausgemustert werden. Doch bei der Frage "Wo wird Ersatz beschafft?" steht die Waffenschmiede Heckler & Koch nun keineswegs auf der schwarzen Liste. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hält es für vorstellbar, dass der Hersteller des Schrottgewehrs auch die Nachfolgewaffe - etwa ein verbessertes G36 - an die Bundeswehr liefern könnte. Es ist ja auch nicht so, dass Heckler & Koch keine treffsicheren Gewehre produzieren kann. Die Spezialanfertigung, die die Militärs zuerst in die Hände bekamen, überzeugte diese durchaus. So sehr, dass man beim Hersteller möglicherweise zur Einsicht gelangte, etwas weniger Qualität täte es auch. Mit dem Ergebnis, dass der Bundeswehr Murks geliefert wurde.

Die Lieferung von Schrottwaffen ist fahrlässig, die empörte Reaktion von Heckler & Koch, es werde Rufmord an dem Unternehmen begangen, völlig unangemessen. Die Chance, Schadensersatz zu bekommen, schätzt man im Verteidigungsministerium inzwischen eher als gering ein. Dass von der Leyen vor diesem Hintergrund überhaupt in Erwägung zieht, das Nachfolge-Sturmgewehr von Heckler & Koch zu beziehen, mutet wie die Belohnung der Schrottwaffen-Lieferung an.

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Von der Leyen ist angetreten, in ihrem Ministerium mit Eigenmächtigkeiten und Selbstherrlichkeiten so mancher Abteilungsleiter aufzuräumen. Was ihren männlichen Vorgängern - zuletzt Parteifreund Thomas de Maizière - nicht gelungen ist. Zum frischen Wind gehört aber auch, sich von Unternehmen der Rüstungsindustrie nicht auf der Nase herumtanzen zu lassen. Heckler & Koch ist ja nur ein Beispiel für die Pannen rund um die viele Milliarden teure Ausrüstung der Bundeswehr. Von der Leyen hat noch einen weiten Weg vor sich.


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Kommentare (1)
"Dass von der Leyen vor diesem Hintergrund überhaupt in Erwägung zieht, das Nachfolge-Sturmgewehr von Heckler & Koch zu beziehen, mutet wie die Belohnung der Schrottwaffen-Lieferung an."

Vielleicht ist es ja eine mehr
Belohnung für die zehntausende Euro, die Heckler & Koch in den vergangenen Jahren an die CDU gespendet hat?!?
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