Keine Zeit für harte Schnitte

VON UWE RÖNDIGS

Auf dem Weg der Besserung

Grundsätzlich ist erst einmal eines wichtig, die Dramatik aus der Situation zu nehmen, denn es droht keine Apokalypse. Vieles hat sich in Griechenland wie in Europa im Vergleich zu 2012, als die Krise hochkochte, verbessert.

Drei Indikatoren zeigen das: Mussten die Griechen 2007 noch sieben Prozent ihrer gesamtwirtschaftlichen Leistung aufbringen, um die Zinsen für die öffentlichen Kredite zu zahlen, waren es 2014 noch 4,3 Prozent; damit liegt Griechenland noch vor Portugal und Italien. Außerdem bewegt sich der griechische Staatshaushalt ohne den Schuldendienst auf einem sehr passablen Niveau von 2,7 Prozent im Plus - ein Wert, den noch nicht einmal die Bundesrepublik schafft. Und schließlich: Auch bei der Wachstumsrate dreht der Trend nach dem Absturz im Jahr 2011 ins Plus. Warum also das Geschrei? Die EZB sorgt für viel frisches Geld auf dem Markt und damit für nachhaltig niedrige Zinsen. Jetzt braucht es statt eines Schuldenschnitts oder eines Euro-Austritts nur noch Investitionen für mehr Wachstum.

Natürlich: kein neues Geld ohne Gegenleistung, keine europäische Solidarität ohne Sparanstrengung, fordert Berlins oberster Schatzmeister Wolfgang Schäuble aus gutem Grund. Alles andere wäre den übrigen klammen Kantonisten in Europa gegenüber das völlig falsche Signal.

Was aber auch die Austeritätspolitiker aus dem griechischen Fall gelernt haben müssen, ist, dass weitere Reformen jetzt Zeit und nachhaltige Angebote zur Zusammenarbeit brauchen, die die Lasten der Anpassung fair verteilen. Das ist in den vergangenen Jahren nicht immer passiert. Nur so wird es gelingen, Tsipras und die problematischen Polterer seiner Koalition auf den Pfad der Tugend zu bringen.

- Bericht S. 1, Blickpunkt S. 3


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