Kinder bleiben auf der Strecke

VON MICHAEL KLEIN

Das ist womöglich gut für SPD und Grüne und auf jeden Fall für viele Arbeitgeber, die sich ebenfalls Vollzeit arbeitende Eltern wünschen - und so mit den Linken in eine sonst seltene Allianz geraten. Ist ein solches Modell aber auch gut für Eltern und Kinder?

Zunächst geraten damit Frauen erheblich unter Druck, die vielleicht gerne eine Auszeit für die gemeinsame Zeit mit ihrem Kind nehmen würden: Von ihnen erwarten SPD und Grüne das schnelle Funktionieren im Job nach der Geburt. Und auch Steinbrück hat kürzlich bei einer Konferenz in Berlin betont, dass er Frauen lieber in Arbeit sehe als in der Rolle der Mutter und Hausfrau.

Und wie geht es den Kindern bei alledem? Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass der Krabbelgruppen-Platz nicht für alle Kleinkinder ein Segen ist. Manche schlafen anschließend schlechter oder schreien häufiger, was den Stressfaktor auch für die Eltern eher erhöht als senkt. SPD und Grüne übersehen, dass Kleinkinder bis zu einem bestimmten Alter lieber mit ihren Eltern als mit Fremden zusammen sind, mit denen sie gar nicht kommunizieren wollen. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" zitierte jüngst eine Erzieherin: "Ein Tag in der Krabbelgruppe ist für die Kinder ein knallharter Arbeitstag." Das stört offenbar weder Peer Steinbrück noch die Linken im rot-grünen Lager, die diesmal inhaltlich den Wahlkampf von SPD und Grünen klar bestimmen.

Gut für die Kinder wäre es, wenn der Krippenausbau gefördert würde, ohne gleichzeitig die Erziehung von Kleinkindern in der Familie massiv zu erschweren. Doch ist Vielfalt bekanntlich der Feind jeder Ideologie.


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