Kontrolle ist besser

Patientenmörder Niels H.

Von Stefan Gombert

Mit diesem Papier in der Hand bewirbt sich der Mann in einem anderen Krankenhaus, bekommt die Stelle und kann sein mörderisches Treiben fortsetzen. Auch der neue Arbeitgeber wird ob der Häufung von Sterbefällen und Komplikationen misstrauisch. Doch er zieht die Reißleine erst, als der Pfleger auf frischer Tat ertappt wird.

Zwei unterschiedliche Kliniken, die gleiche Mentalität. Das nährt den Verdacht, dass dieses Verhalten noch an so manch anderer Klinik, wohl auch in einigen Pflegeheimen, System hat: wegschauen, alles unter der Decke halten, bloß nichts an die Öffentlichkeit dringen lassen. Negative Schlagzeilen lassen die Patientenzahlen sinken, und das ist schlecht für die Bilanz.

Wer so denkt und agiert, der handelt ebenso kriminell wie der Täter selbst. Deshalb muss es in jeder Einrichtung eine Kultur des Hinschauens auf allen Ebenen geben – vom Pflegepersonal über das Ärzteteam bis hin zur Führungsriege. Und wenn ein Verdacht aufkommt, muss der geäußert werden können – ohne Angst, als Nestbeschmutzer verunglimpft zu werden und berufliche Nachteile befürchten zu müssen. Noch immer haben längst nicht alle Krankenhäuser und Pflegeheime ein anonymes Meldesystem bei einer unabhängigen Stelle außerhalb der Einrichtung.

Zumindest nachträglich haben die beiden Kliniken, in denen Niels H. seine Morde verübte, reagiert. Dort obduziert nun zusätzlich auch ein Rechtsmediziner die Verstorbenen. Durch dieses Vier-Augen-Prinzip soll kriminelles Handeln in jedem Fall entdeckt werden. Nicht umsonst fordert beispielsweise die Deutsche Stiftung Patientenschutz amtsärztliche Leichenschauen, eine umfassende Sterbestatistik und eine exakte Kontrolle der Medikamentenausgabe in allen Krankenhäusern und Pflegeheimen.

Das ist zwar mit noch mehr Dokumentation und Schreibkram im ohnehin bürokratiebefrachteten Klinikalltag verbunden. Doch allen muss es der zusätzliche Aufwand Wert sein, so weitere Fälle wie den von Niels H. zu verhindern.


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