Leuchtzeichen aus Frankreich

Regionalwahlen
Von Regina Tauer

Vielleicht hat der erfolgreiche Weltgipfel an der Seine auch dazu beigetragen, dem einen oder anderen wahlmüden Franzosen vor Augen zu führen, dass Politik eine Kunst des Möglichen ist. Dass Politikverdrossenheit keine Alternative dazu ist. Die Wahlbeteiligung bei den Regionalwahlen war jedenfalls am Sonntag höher als eine Woche zuvor. Bei diesem zweiten Wahlgang wurde der Durchmarsch der Front National verhindert - vorerst jedenfalls.

Der Schulterschluss zwischen den demokratischen Parteien war etwas einseitig und ging zu Lasten der Sozialisten. Sie stellten ihr politisches Ziel, Marine Le Pen in politischer Verantwortung für eine französische Region nicht hinzunehmen an vorderste Stelle. Ob die Franzosen ihnen das danken werden, ist eher unwahrscheinlich.

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Profiteure des Deals der Demokraten waren die Republikaner unter Nicolas Sarkozy. Ihre Art den Schulterschluss zu üben, war sehr eigennützig. Im Fußball würde man dieses Verhalten wohl eher mit dem Begriff "aufgestützt" beschreiben. Also ein nicht ganz faires Verhalten.

Dennoch: Die Front National hat einen Dämpfer erhalten. Und dafür war es höchste Zeit. Noch nicht beantwortet sind allerdings die Fragen nach dem Erfolg der Rechtsextremen - in erschreckendem Maße gerade auch bei jungen Menschen. Präsident Hollande und auch Sarkozy werden sich mehr anstrengen müssen, Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Das ersetzt auf Dauer kein Schulterschluss in höchster Not.


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