Mehr als ein Weg zum Familienglück

Von Michael Klein

Betreuungsgeld können Eltern seit August 2013 beantragen, wenn sie ihr Kind bis zum Alter von drei Jahren nicht in eine Kita geben - es also ganz selbst betreuen. Dass inzwischen rund 400 000 Familien das Betreuungsgeld beziehen, zeigt, dass es dafür einen Bedarf gibt. Es entlastet - neben Elterngeld und Kindergeld - Familien finanziell, wenn ein Elternteil sich voll dem Nachwuchs widmet.

Gegner haben ein festes Rollenbild

Genau darin sehen die Gegner des Betreuungsgeldes das größte Problem: dass nämlich Frauen auf diese Weise davon abgehalten werden, weiterhin ihren Beruf auszuüben. Dem unterliegt ein festes Rollenbild von Mann und Frau, das radikal mit dem traditionellen bricht: Auch die Frau soll nach der Geburt weiterarbeiten und ihr Kind bereits vor dem Alter von drei Jahren in eine Fremdbetreuung geben.

Unbestritten ist dieses Modell zeitgemäß und eines, das viele Eltern bevorzugen. Es ist aber nicht das allein selig machende. Denn nach wie vor gibt es Frauen, die sich bewusst für die alleinige Kindererziehung und gegen den Beruf entscheiden. Die Kritiker des Betreuungsgeldes, die sich vornehmlich bei SPD, Grünen und Linken finden, blenden diesen Teil der gesellschaftlichen Realität einfach aus. Wer als Mutter nicht arbeitet, ist für sie von gestern.

Dabei kann die intensive Zuwendung durch die Mutter in den ersten drei Lebensjahren durchaus ein Segen für das Kind sein. Die zeitliche Begrenzung des Betreuungsgeldes auf diesen Zeitraum zeigt: Den Urhebern des Gesetzes in der Union ist durchaus bewusst, dass Kinder auch soziale Kontakte benötigen.

Was spricht also gegen das Betreuungsgeld? Im Kern ist es ein Gesellschaftsbild, das ein Familienmodell mit klassischer Rollenverteilung nicht toleriert - egal, wie die Familien selbst darüber denken. SPD und Grüne stehen damit in der Tradition ihres Bundestagswahlkampfs 2013: Seinerzeit wollten sie das Ehegattensplitting abschaffen, also klassische Familienmodelle steuerlich schlechterstellen.

Wenn überhaupt etwas gegen das Betreuungsgeld spricht, dann ist es eher ein erzieherischer Aspekt. Kinder, die in sozial problematischen Familien aufwachsen, hätten mit frühestmöglicher Kita-Betreuung vielleicht einen besseren Start ins Leben. Sicher weiß man das allerdings nicht. Denn die Familie behält ja auch dann Einfluss auf die Entwicklung der Kinder. Und wer garantiert, dass Kinder aus diesen Familien überhaupt in die Kita geschickt werden?

Ganz sicher ist die Kita für viele Kinder schon sehr früh ein Segen - und für ihre Mütter, die sich beruflich verwirklichen wollen. Dass dies jedoch der einzig sinnvolle Weg zum Eltern- und Kinderglück ist, wird durch das Betreuungsgeld in Frage gestellt. Zu Recht.

- Politik S. 2


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