Neiddebatte rettet Klima nicht

Prämien für Elektroautos
Von Michael Klein

Die Bundesregierung will den Treibhausgas-Ausstoß in den kommenden vier Jahren um 40 Prozent gegenüber 1990 senken. Das ist mit Blick auf den wissenschaftlich erwiesenen Treibhauseffekt sinnvoll - auch wenn einem bei der aktuellen Wetterlage nicht zuerst ein Treibhaus einfällt. Bis 2050 sollen die Klimagase in Deutschland gar um bis zu 95 Prozent reduziert werden. Wie soll das gehen, wenn man im Autoverkehr weiter auf klimaschädliche Technologien setzt?

Die hehren Ziele erklären, warum die Regierung dem Elektroauto nun mit veritablen Prämien in die Spur helfen will. Doch ausgerechnet Umweltschützer begehren gegen diese Zuschüsse des Staates auf. Gängiges Argument: Von den Prämien profitieren auch Gutverdienende. Und: Die profitable Autoindustrie könnte solche Starthilfen locker selber zahlen.

Beides stimmt - aber es übersieht etwas Wesentliches: Ohne massive Förderung wird das Elektroauto in der Nische steckenbleiben. Und diese Förderung muss auch stärker motorisierte Fahrzeuge einschließen, sonst wird das nichts. Dass Klimaschützer sich Gedanken über soziale Gerechtigkeit machen, ehrt sie. Aber das ist nicht ihre Aufgabe. Mehr noch: Wenn sie solchen Überlegungen den Klimaschutz opfern, dann verfehlen sie ihren Job. Umweltpolitik muss der Sache dienen - sie darf sich nicht an Ideologien ausrichten.

Ja, es profitieren nun auch Menschen von den Prämien, die dies nicht existenziell nötig haben. Aber auch diese potenziellen Käufer kann man schließlich nicht zum Kauf eines Elektroautos zwingen. Selbst für jemanden, der gut verdient, sind 4000 Euro Nachlass beim Kauf eines teuren Autos - mit derzeit noch allerhand Nachteilen - ein starker Anreiz. Es wäre fahrlässig, auf diese Käufer zu verzichten und stattdessen lediglich eine Neiddebatte zu führen.

Wirkliche Alternativen haben die Kritiker der Prämien nicht anzubieten. Greenpeace etwa hat vorgeschlagen, man solle alle Stadtbusse in Deutschland elektrifizieren. Ein - Vorsicht, Ironie! - prächtiger Vorschlag gerade für den ländlichen Raum! Greenpeace übersieht, dass der Individualverkehr auch in den nächsten Jahrzehnten das Rückgrat der Fortbewegung bleiben wird.

Gerade deshalb ist der Blick auf die Automotoren genau richtig. Da stellt man allerdings schnell fest, dass der Elektromotor gar nicht so klimafreundlich ist, wie viele glauben. Denn der Strom in den Batterien der Fahrzeuge wird überwiegend klimaschädlich erzeugt. Dass der Auspuff beim E-Auto sauber bleibt, ist mit Blick auf die Erderwärmung nichts anderes als eine große Selbsttäuschung. Zumal bei der Umwandlung und Speicherung fossiler Brennstoffe ein erheblicher Teil der Energie verschleudert wird. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Kohlendioxid-Bilanz eines Elektroautos kaum besser ausfällt als bei einem Benziner. Zudem entstehen bei der Herstellung der Batterien für ein Elektroauto viele Tonnen Kohlendioxid.

Noch ist die CO2-Bilanz schlecht

Eine sauberere Stadtluft ist bislang der wesentliche Vorteil des Elektroautos. Seine magere Klimabilanz mag mit erklären, warum dieser neue Fahrzeugtyp keine Euphorie auslöst. Ihn zu fördern ist aber richtig, nicht nur wegen der Stadtluft. Denn je kleiner der Anteil vergänglicher Quellen im Energiemix ist, desto klimafreundlicher wird das Elektromobil. Wenn unser täglicher Strom sich erst einmal überwiegend aus Wind, Sonne und Wasser speist, dann sollte das E-Auto auf der Überholspur sein. Genau diesem Ziel dienen die Prämien.

BERICHT S. 1, GELD · MÄRKTE · ARBEIT S. 7


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